Donnerstag, 30. Juni 2022

26. Tag: Von Tarascon nach Avignon

 die Karte

Letzter Radltag dieser Frankreichreise, eine kurze Strecke, unspektakulär, gut zu fahren und schon um die Mittagszeit waren wir in Avignon.


Unterwegs gab es riesige Obstplantagen, vor allem die Pfirsich- und Nektarinenbäumchen bogen sich unter der Last, aber auch dunkelrote, fast schwarze Kirschen, Feigen hingen noch an den Bäumen, die Weinreben zeigten schon kleine Trauben.
Wir kamen auch durch kleine Dörfer, die sehr nett aussahen, aber ziemlich ausgestorben. Und in Vallabrègues hat es den Manne plötzlich gepackt und er wollte in der kleinen Arena doch tatsächlich zeigen, was so ein Radfahrer drauf hat.


Auf dem Bahnhof war ich auch, hab mich nochmal nach meinem Zug erkundigt und bin jetzt einigermaßen beruhigt, dass das alles schon klappt.

(manne): 1.230 km sind Friederike gemeinsam gefahren!! Unglaublich, wie schnell die Zeit verging.
Übermorgen muss ich dann alleine weiter.
Heute Morgen noch einmal die beiden Burgen, die sich über die Rhône hinweg feindlich gegenüberstanden. Languedoc, das aufstrebende Frankreich - und die Provence, die zum Hl. Römischen Reich gehörte. Und im Zentrum natürlich Avignon. 


Das ist die Burg von Beaucaire, Tarascon gegenüber. 
Und auch die Burg von Boulbon gehört zu diesen "Grenzwächtern" nach "Frankreich" hinüber.


Und so wie auf den  Seiten der alten Grenzen die Menschen heute , wahrscheinlich allesamt weder Okzitanisch noch Provençal sprechen, scheint es doch wichtig zu sein,


dass jeder Ort sein richtiges "Namensschild" bekommen hat. Ich weiß schon, in den 80iger Jahren war "Regionalismus"  ein großes Thema.Ob in "Kursbuch" oder "Freibeuter" die Aufsätze wollten kein Ende nehmen, ob die Regionalbestrebungen "fortschrittlich" oder "reaktionär" wären. Bei den EKWler (meine Zunft, damals) gab es ausgesprochen hartnäckige Studenten, die sich weigerten in den Seminaren Hochdeutsch zu sprechen. War einerseits sympathisch, aber inzwischen "Schnee von gestern". Doch die bombenlegenden Fraktionen, wie die Basken oder die Korsen, zeigten eben auch die Kehrseite solcher - ja was eigentlich? Borniertheiten? Freiheitsbestrebungen? 
Das aktuellste Thema wären da die Katalanen. - Genug des Politisierens. 

Das Bild oben, ist eines der letzten, das meine kleine Sony, die ich immer vorne am Fahrrad griffbereit hatte, aufgenommen hat. In Avignon hat sie die Zusammenarbeit aufgekündigt. 
Zum Glück ist gleich neben unserem heutigen Hotel, eine Art französischem "Saturn" und die hatten eine günstige kleine Kamera, die sogar wasserdicht ist. 
Natürlich hätte ich auch mit dem Phone fotografieren können. Aber Navigation, Kommunikation und Fotografieren, während der Tagesetappen, das hätte mich mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Dauer überfordert.

Von unserer Stadterkundung am Nachmittag hier ein paar Eindruck von Friederikes Handy:



Avignon bereitet sich langsam auf sein Theaterfestival vor. das 76.
Schade, es fängt erst nächste Woche an. Oder vielleicht auch ganz gut so, denn dann ist Avignon wahrscheinlich noch mehr Rollkofferstadt, Touristenmassen, genervtes Servicepersonal...
Ganz schön sind die Theatermotive die überall als Fenster auf den Fassaden zu sehen sind.




Von dem letzten Besuch in Avignon hatte ich die Sammlung Lambert in guter Erinnerung. Ausstellungen von Feinsten, Sammlungsschwerpunkt 2.Hälfte 20.Jh.
Dieses mal waren die Ausstellungen ein wenig enttäuschend, bzw. ich bin mit den Videos, Installationen, Fotos, nicht so recht warm geworden. Wenn ich Baudrillard gelesen und  "Matrix" auswendig kennen muss, um die Werke zu verstehen, schalte ich schnell ab. 
Aber es gab auch interessante Arbeiten.




Am Abend noch ein Live-Konzert:


Jetzt ist es spät geworden. 


Morgen  großer Avignontag. Um 10:00 haben wir Karten für den Papstpalast.
- Unser letzter gemeinsamer Tag auf dieser Reise. Schade eigentlich!
Schaut Morgen wieder vorbei!  











Mittwoch, 29. Juni 2022

25. Tag: Von Aigues-Mortes nach Tarascon

die Karte



Heute stand die Durchquerung der Camargue an. Zuerst einmal 12 km entlang des Rhône-Sète Kanals. Das waren noch einmal wunderbare Kanalkilometer.


Doch schon um 9:00 Uhr war klar. Heute wird es heiß, so richtig heiß. Bis Gallician lief es wie geschmiert - Wind vom Meer! 
Danach ein kleines Sträßchen, das sich durch das Wassersystem der Camargue schlängelt. Immer wieder Vogelbeobachtungsstellen. Seeschwalben, Störche, Graureiher, Silberreiher, Austernfischer, einfach schön.



Seeschwalben:


Gestern habe ich noch ein Rhônekartenheft gefunden. "La ViaRhône Du Léman à la Méditerraneée" - zum Glück! Denn Hadwig war heute keine wirkliche Hilfe. Immer wieder versuchte sie kreative Streckenangebote zu machen, und Google ist auf dem platten Land für Fahrradfahrer auch nur bedingt eine Hilfe. Da waren die Schilder und das Leute fragen die besseren Orientierungshilfen - wie gehabt, aus vordigitalen Zeiten.
Aber die offiziell ausgeschilderte Route mäandrierte fürchterlich durch die Kanäle und Lagunen. Und es wurde immer heißer.
Willst Du weiter erzählen:

frieda)
Schon am vormittag mussten wir einen großen Umweg fahren, weil am Kanal Stiere waren. Ein Fischer hat uns gewarnt, dass der Kanalweg nicht sicher wäre und er zeigte uns frische "mierde de Taureaux" und schüttelte bedenklich den Kopf.
Manne hatte extra nicht sein rotes Fahrradhemd für die Durchquerung der Camargue angezogen, aber trotzdem...wir fahren halt außenrum.
Und später schickt uns "Hadwig" auf einen Weg, der wie eine super-Abkürzung aussieht, aber so riesengroße Pfützen hat, dass wir bei der dritten beschließen umzukehren. Ich hatte mich schon in diesem stinkigen Wasser liegen sehen.

Aber das dritte Hindernis haben wir tatsächlich überwinden können: Ein großer Traktor mit einem gaaaaanz langen Anhänger standen quer und schief überm Weg und in den Graben. "Das dauert noch" meinten sie und wirkten nicht glücklich. Also haben wir abgesattelt, die Taschen über mehrere Maschinenteile getragen und schließlich die Fahrräder am Graben entlang balanciert und über die Achse gehoben. 

Als wir weitergefahren sind, haben wir eine Motorsäge im Einsatz gehört!
 
Zunehmend haben wir die Sümpfe hinter uns gelassen, es wurde eintönig und sehrsehr heiß. Große Gutshöfe, die hier "Mas" heißen, ( Mas de Sable, mas de Conet...), dabei sicher auch manch eine berühmte Stierzucht. 

Und zum Schluß begegnet uns noch einen Pfau

Der Pfau war eines vieler Tiere in einem "pädagogischen Erlebnisbauernhof", der zum Glück auch kalte Getränke verkauft hat. Wir hatten nämlich den ganzen Tag vergeblich nach einem Bistro, Café, Supermarkt Ausschau gehalten, und es hatte nichts, gar nichts gegeben. 10 km vor unserem heutigen Ziel haben wir endlich die Wasservorräte auffüllen können. 

Und jetzt sind wir wirklich raus aus der Camargue. Schade, es hat mir so gut gefallen.

Und jetzt noch einmal ich:

Während Friederike fleißig im kühlen Zimmer in die Tasten gehauen hat, habe ich mich tatsächlich noch einmal in die Hitze gewagt. Die Burg an der Rhône hat mich zu sehr gereizt und die Kirche sah auch seehr vielversprechend aus. Also noch eine Runde Kultur, nachdem wir gestern so kläglich versagt haben,

Beim Reinfahren fällt natürlich zuerst die mächtige und äußerst kompakte Burg auf. Aber so alt, wie sie von aussen erscheint, ist sie nicht. Sie ist eigentlich "erst" im 15. Jahrhundert entstanden. Hier war die Grenze (eigentlich schon eine ganze zeitlang) zwischen Frankreich und dem Hl.Römischen Reich, zwischen dem Languedoc und der Provence. Innen wird deutlich, der René, der Erbauer war ein Mensch auf der "Höhe der Zeit". Aussen Mittelalter, innen Renaissance, irgendwie heiß die Mischung.



Der Rundgang geht immer höher. Dabei ist doch die Friederike die Türme Besteigerin. Lange war der Turmvon Tarascon der höchste zwischen Arles und Avignon. 


Der Rundumblick ist wirklich toll. 
Die Burg ist heute auch so etwas wie eine Galerie und Museum für moderne Kunst. Mit einem Lieblingsthema: Drachen.


Das ist mein Lieblingsdrachen der Ausstellung. Und jetzt kommen wir zur Geschichte des Abends. Wollt Ihr eine Gutenacht/Guten Morgen/Siesta- Geschichte hören?
Also gut:

Wir schreiben die ersten Jahrzehnte der Neuen Zeitrechnung. Eine Person, die noch in der Bibel erwähnt wird, taucht hier in Südfrankreich auf. Marta von Betanien. 
Aber von Anfang an; 
Tarascon gibt es noch nicht. Es heißt zur der Zeit noch Nerluc und hatte ein Problem. Ein riesiger Drache, blau schimmernd ernährte sich in der Gegend von Vieh, Wanderern und Jungfrauen. Was zu seinem sehr schlechten Ruf führte, Tarasque ist nicht beliebt in der Gegend. 16 tapfere Männer wollen dem Drachen an die Schuppen, ohne Erfolg. Die eine Hälfte wurde vom Feuerstrahl des Drachen geröstet, die andere Hälte flieht.
Die Nerlucer schicken darauf hin eine Delegation an den König (welcher König, das zu Römerzeiten gewesen sein soll, egal bei guten Geschichten darf man nicht so pingelig sein). Doch die Edlen des Landes finden, 
a. bewache der Drachen keinen Schatz, 
b. fräße er die Jungfrauen gleich, also gäbe es kein Jungfrauen zu befreien und 
c. auf ein paar Bauernlümmel und Wanderer kommt es nun wirklich nicht  an. Die Delegation kehrt enttäuscht nach Nerluc zurück.
Zur gleichen Zeit landet bei Les-Saintes-Maries-de-la Mer ein kleines Schiff mit eben der Marta aus der Bibel. Jungfrau ihres Zeichens, weiß gewandet. Die Bewohner von Nerluc bitten die Heilige um Hilfe.
Diese nimmt zwei Äste, machte ein Kreuz daraus, setzte sich an die Rhone und beginnt zu singen. 
Der schreckliche Tarasque ist nicht nur menschenfressendes Ungeheuer, sondern auch Musikliebhaber. Er hört  die Musik, taucht aus der Rhone auf, kommt ans Ufer und schläft neben Marta wie ein Schoßhündchen ein. Da nimmt die Heilige ein Seil, bindet es dem Untier um den Hals, und führte es ins Dorf. 
Das ist ein großer Fehler. Die Dorfbewohner sind durchaus nachtragend und steinigen das Schoßhhündchen der Heiligen, zu deren Entsetzen.

Soweit die wirklich einzig wahre Geschichte aus dem Jahre 48 nach Christi.
Was später daraus gemacht wurde, konnte ich in der Stiftskirche zu Tarascon bewundern.


Mit Weihwasser und Wedel (48 n.Chr.!!) rettet sie das adipöse Kind aus dem Rachen des Drachen.
Ne, reine Propaganda.



Die Reliquie der Hl Martha (ich habe nicht herausgefunden, welcher Körperteil uns erhalten geblieben ist) wurde zum Renner für Pilger und sonstige Drachenbekämpfer.
Der Neunte Ludwig, von dem gestern schon die Rede war, ist zum Beispiel, ehe er sich auf den Kreuzzug nach Jerusalem machte, in Tarascon vorbei gekommen und hat ihr seinen Drachenkampf im Heiligen Land gewidmet. 

Was ich interessant finde, 


Führt die Lady im Bild von Uccello den Drachen nicht auch  problemlos  an der Leine, als ihn der tapfere St.Georg ihn einfach absticht? Was hat es mit den Drachen und den Jungfrauen wirklich auf sich?

Wie können wir das tiefenpsychologisch deuten? 
Das ist die Hausaufgabe für Morgen.
Gehabt´s Euch wohl.







Dienstag, 28. Juni 2022

24. Tag: Von Sȇte nach Aigues-Mortes

die Karte

Die schönste Radstrecke, die ich je gefahren bin, und von der Manne mir seit 10 Jahren vorschwärmt!

Kurz nach Sȇtes geht es auf den Damm zwischen Rhône-Seitenkanal und dem großen Sumpf-Teich- Gebiet:





Auf der anderen Seite Flamingos und dahinter das Meer:



und wir mittendrin:




Und als wir dann um die Mittagszeit wieder auf den Radweg am Strand gekommen sind, gab es diese kleine Badepause in Carnon und leckere Smoothies an einer Strandbar:


Der Tag war perfekt! 

Und hat auch gleich heute morgen mit einer so freundlichen Begrüßung aus dem Schilf begonnen:



so Manne, und wie war dein Tag?

(manne) Dem kann ich mich nur anschließen. Aus Sȇte sind wir problemlos rausgekommen. Der Dammweg zwischen den verschiedenen Etangs und dem Canal du Rhône war schon vor 10 Jahren kein offizieller Weg und damals noch ziemlich schlecht. Jetzt ist er deutlich besser und gut befahrbar. Die Mauern, die die Fahrrinne des Kanals von den Etangs trennt, sind heute in einem eher schlechten Zustand. Wir haben auch nur 2 Boote auf dem Weg nach Sȇte gesehen.
 Vor einiger Zeit habe ich einen Bericht im Fernsehen gesehen, in dem berichtet wurde, dass Corona den Flamingos der Camargue gut getan hätten, da während des eingeschränkten Flugverkehrs keine Flugzeuge mehr über die Flachwasserzonen auf den Flughafen nach Nimes eingeflogen sind. Die Vögel nicht mehr so oft von ihren Gelegen aufgeflogen sind und deshalb der Nachwuchs zugenommen hat.



La Grand-Motte ist für mich nach wie vor ein Kuriosum. Was ich damals nicht wusste, ist, dass Jean Balladur, der Architekt des gigantischen Beton/Brutalismus ein "Paradies für die Massen"    schaffen wollte. Charles de Gaulle erteilte 1963 Pompidou den Auftrag die Region für den Massentourismus zu erschließen. 


Seien es die "Käseräder" sind oder die Kreufahrtschiffe,


sie hat schon,  was diese Architektur. Mit den Terrassen hat es Baladur geschafft, möglichst vielen Appartements Meerblick zu erlauben. In den 60iger Jahren sind die "Betonbunker" schwer kritisiert worden. Denoch soll La Grande Motte zu den beliebtesten Feriengebieten der Franzosen gehören. Für mich sind die Gebäude nach wie vor eine liebe Erinnerung an meine ersten Fernseherfahrungen mit der Zeichentrickserie, "die Jetsons". Ich sehe sie genau vor mir, wie sie mit ihren Flugautos auf einem der Balkone landen.
Ganz anders dagegen unser heutiges Ziel. Eine unglaublich gut erhaltene Stadtbesfestigung aus dem 13./14.Jahrhundert. Aigues-Mortes.


Die gesamte Stadtmauer ist noch vorhanden, und, nicht wie in Carcassone im 19.Jh. rekonstruiert, tatsächlich noch im ursprünglichen Zustand erhalten. 
Kurze Zeit nach den Albinenserkreuzügen, nachdem Toulouse besiegt und Aragón sich aus Südfrankreich zurückgezogen hatte, kann der inzwischen IX. der Ludwigs das Gebiet "erwerben" und lässt Aigues Mortes zum ersten Mittelmeerhafen der Zentralregierung ausbauen. 
Von dort aus macht er sich auch auf seine Kreuzzüge nach Jerusalem auf, wo er sich Typhus holt und stirbt, weswegen er auch "der Heilige" genannt wird.
Dass Aigues-Mortes ein Mittelmeerhafen sein soll, merkt man heute nicht mehr, die ganze Buchte versandete mit der Zeit, und heute kommt man nur über Kanäle ans Meer.




Die Stadtmauer ist wirklich beeindruckend und auch die Tore und Türme. Der ganz links, der Tour de Constance, hat während der Hugenottenkriege traurige Berühmtheit erlangt. Aigues-Mortes, war wie auch Beziers, Hugenottenhochburg. Um den Widerstand der Hugenotten zu brechen, wurden Protestanten z.T. jahreszehntelang dort eingesperrt - als Katholiken, wären sie heilig gesprochen worden. 
Auf dem Weg zum Hotel sind wir nur kurz hinter die Stadtmauern gefahren. Es war einfach zu  heiß um ausgiebig Touri-Programm zu machen.


 Mal sehen, wie weit wir heute Abend kommen. Unser schnuckeliges Hotel mit Swimmingpool liegt leider etwas ausserhalb.
Wir haben es versucht - ehrlich- aber ein Schritt aus dem Appartement um 19:00 Uhr,- ein Schlag mit einem heißen feuchten Handtuch, links, rechts. Das geht heute garnicht mehr. Gegenüber ist ein Supermarkt, nebendran eine Pommesbude - mit hervorragendem Angebot. 
Manchmal ist ein Glas Rotwein auf der Terrasse und ein Krimi, mindestens so wichtig, wie Weltkulturerbe. 
Stimmt´s Friederike?



"Abendstille,überall
nur von Fern, die Autobahn!
Möve nicht leise, schreit ihre Weise
über´m Kanal!"
Euch auch einen schönen Abend, Tag, Nacht, wann immer Ihr uns lest!








 









Montag, 27. Juni 2022

23. Tag: Von Capestang nach Sȇte

die Karte



Warum der wunderschönen Stiftskirche von Capestang 25 m fehlen, habe ich nicht rausbekommen, aber kurios ist der Anblick schon. Capestang war der ideale Stopp nach der Königsetappe gestern. Riesiges Apartment über 3 Stockwerke, ein hervorragendes Entrecôte vom Grill mit grünen Bohnen, da kamen die Kräfte schnell zurück. 
Der heutige Tag sollte ein halber Ruhetag werden. Eigentlich wären es bis Sȇte um die 65 km, also gut machbar - aber ich kenne Adge - und mir gefiel die Strecke schon auf der Runterfahrt nach Spanien nicht, und heute Morgen hat sich Friederike mit einem netten Reisenden, der uns entgegen kam unterhalten, der auch meinte, nach Béziers würde die Route unlustig. Deshalb habe ich uns für 2 Stationen Zugtickets von Sȇte nach Béziers gekauft, nicht zuletzt, weil ich Friederike einen schönen Badenachmittag versprochen habe.
Die letzten 20 km am Canal du Midi, kühler Morgen, sonnig und gewaltiger Rückenwind. Wir kommen gut voran.


Auf halber Strecke dann ein Kanaltunnel. Gibt es auch nicht so häufig.




Für uns hat es leider keinen Platz. 

Von Ferne sehen wir schon die Kathedrale von Béziers.


Ich kenne wenige Orte, die so oft, so komplett platt gemacht worden ist. Das ging mit den Sarazenen im 3. Jh. überrannten keltische Stämme, die von Iberern bewohnte Siedlung. Dann verwüsteten Germanenstämme den Ort. Und wieder wurde er neu befestigt. 409 plünderten Vandalen den Ort. 720 fielen Sarazenen ein. Karla Martell "befreite" Bézier von den Mauren, und damit diese sich jenseits der Pyrenäen nicht wieder festsetzen konnten, machte er den Ort mal wieder platt. Dann kam der Albigenserkreuzzug, mit den schon beschriebenen Folgen.7.000 Geflüchte wurden in der Magdalenenkirche verbrannt, und insgesamt, so vermutet man wurden 20.000 Menschen in Beziers ermordet. Nachdem der Süden "befriedet" war und im 13. Jahrhundert an die Krone (Frankreichs) fiel, war von Frieden keine Rede. Im 16.Jahrhundert war Béziers ein Hauptort der Hugenotten (sie können es einfach nicht lassen!) und die Festung wurde auf Befehl von Richelieu 1632 ein weiteres Mal zerstört.
Aber mit der Rebellerei konnten die Béziers nicht so richtig aufhören. Noch 1851 wurden Gegner von Louis Napoleon Bonaparte von den Republikanern verfolgt und 2 wurden öffentlich hingerichtet.

Der Canal du Midi, der schon im 17.Jh. begonnen worden ist, hat der Stadt nicht wirklich einen neuen Aufschwung gebracht. 

Heute sind die 9 Schleusenstufen ein wirklich sehr sehenswertes Kulturdenkmal der Technikgeschichte. Ich war begeistert.


Vielleicht kann  man es auf dem Bild schlecht erkennen, aber die Schleusentreppe geht endlos nach unten. keine 50m zwischen jeder Schleusenkammer.

Aber jetzt soll Friederike von unserem Abenteuer des Tages berichten.

(frieda) Ja das war ein Abenteuer, diese Zugfahrt. Wir hatten noch genug Zeit um einen Kaffee zu trinken, und als wir dann zum Bahnsteig kommen, warten schon sehr viele Leute, einige Fahrräder, ein Rollstuhl, ein Kinderwagen, viele große Koffer. Aber wir haben ja einen Fahrradplatz gebucht, wird schon klappen. Dann kommt ein Züglein reingefahren, zwei Waggons, vier Türen, wir laufen zum Fahrradabteil und es geht gar nichts,Gedränge vor der Tür, offensichtlich auch Gedränge drinnen, denn es geht ewig bin die Leute überhaupt herauskommen. Der Zug hat eigentlich nur zwei Minuten Aufenthalt, immer wieder geht die Tür zu, Leute stemmen sich dagegen, wir versuchen es an einer anderen Tür, irgendwann bin ich ganz vorne, könnte einsteigen, aber da sitzen die Leute schon gedrängt im Eingang und schütteln den Kopf. Nichts geht und schließlich ruckeln die Türen endgültig zu und der Zug fährt ab, ohne uns, und ohne ein paar andere Radfahrer. Der nächste Zug fährt in einer Stunde, wir sehen auf dem Plan, dass es wieder so ein Kurzzug ist, doch diese Stunde investieren wir noch, und wenn es nicht klappt müssen wir halt radeln. Ein junger, sehr höflicher Radfahrer setzt sich geduldig neben uns. Inzwischen kommt der TGV nach Paris, zwei lange Züge, viele Leute suchen ihr Abteil, rennen den langen Zug entlang, werden von einem Schaffner wieder zurückgeschickt, totale Hektik. Na da freu ich mich doch schon auf meine Rückfahrt von Avignon nach Straßburg! 
Dann, eine Stunde später, der Bahnsteig ist voll, sieben Fahrräder stehen an, wieder viele Leute mit Riesengepäck. Ein holländisches Paar mit Fahrrädern und großem Campinggepäck ist voller Hoffnung, dass das schon klappt. Manne und ich beschließen, dass wir unsere Taktik ändern müssen, wir dürfen uns nicht mehr abdrängen lassen. Und das Züglein kommt, ist schon voll, wenige steigen aus, alle drängen- höflich- ins Abteil, Fahrradabteil ist voll, irgendwie drückt Manne sein Fahrrad rein, meines zur Hälfte hinterher, die Tür will zugehen, Leute stemmen sich dagegen, eine Schaffnerin schiebt die Leute in verschiedene Richtungen, mein Hinterrad ist jetzt auch drin, die Türen gehen zu und der Zug fährt los. Die Holländer winken uns nach und der junge Mann ist wieder nicht mitgekommen.


Manne meint, er hätte ein schlechtes Gewissen, aber auf dem Foto sieht das anders aus, finde ich.
In Agde, steigen drei Leute aus, ein paar neue mit Koffer dürfen rein und die Schaffnerin ruft nach draußen, dass keine Fahrräder mehr mitdürfen. Sie ist im Stress und danach sieht man sie nicht mehr. Kurz kommt der Gedanke aus, dass wir gar nicht mehr rauskommen, aber es klappt dann doch....uff.

Sêtes hat einige Strände und wir nehmen den ersten und schmeißen uns ins Mittelmeer.
Juhuuuuuu!



Ja, auch der Manne zieht seine Badehose an

....und geht ins Wasser...und hier isser:


George Brassens ist übrigens ein Sohn der Stadt, hier sein Denkmal
"Au bois de mon Cœur", steht dabei, das ist eines seiner Lieder. Aber was es mit dieser Skulptur auf sich hat, habe ich nicht herausbekommen. Vielleicht weiß es die Möwe?