die Karte
Heute stand die Durchquerung der Camargue an. Zuerst einmal 12 km entlang des Rhône-Sète Kanals. Das waren noch einmal wunderbare Kanalkilometer.
Doch schon um 9:00 Uhr war klar. Heute wird es heiß, so richtig heiß. Bis Gallician lief es wie geschmiert - Wind vom Meer!
Danach ein kleines Sträßchen, das sich durch das Wassersystem der Camargue schlängelt. Immer wieder Vogelbeobachtungsstellen. Seeschwalben, Störche, Graureiher, Silberreiher, Austernfischer, einfach schön.
Seeschwalben:

Gestern habe ich noch ein Rhônekartenheft gefunden. "La ViaRhône Du Léman à la Méditerraneée" - zum Glück! Denn Hadwig war heute keine wirkliche Hilfe. Immer wieder versuchte sie kreative Streckenangebote zu machen, und Google ist auf dem platten Land für Fahrradfahrer auch nur bedingt eine Hilfe. Da waren die Schilder und das Leute fragen die besseren Orientierungshilfen - wie gehabt, aus vordigitalen Zeiten.
Aber die offiziell ausgeschilderte Route mäandrierte fürchterlich durch die Kanäle und Lagunen. Und es wurde immer heißer.
Willst Du weiter erzählen:
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Schon am vormittag mussten wir einen großen Umweg fahren, weil am Kanal Stiere waren. Ein Fischer hat uns gewarnt, dass der Kanalweg nicht sicher wäre und er zeigte uns frische "mierde de Taureaux" und schüttelte bedenklich den Kopf.
Manne hatte extra nicht sein rotes Fahrradhemd für die Durchquerung der Camargue angezogen, aber trotzdem...wir fahren halt außenrum.
Und später schickt uns "Hadwig" auf einen Weg, der wie eine super-Abkürzung aussieht, aber so riesengroße Pfützen hat, dass wir bei der dritten beschließen umzukehren. Ich hatte mich schon in diesem stinkigen Wasser liegen sehen.
Aber das dritte Hindernis haben wir tatsächlich überwinden können: Ein großer Traktor mit einem gaaaaanz langen Anhänger standen quer und schief überm Weg und in den Graben. "Das dauert noch" meinten sie und wirkten nicht glücklich. Also haben wir abgesattelt, die Taschen über mehrere Maschinenteile getragen und schließlich die Fahrräder am Graben entlang balanciert und über die Achse gehoben. Als wir weitergefahren sind, haben wir eine Motorsäge im Einsatz gehört!
Zunehmend haben wir die Sümpfe hinter uns gelassen, es wurde eintönig und sehrsehr heiß. Große Gutshöfe, die hier "Mas" heißen, ( Mas de Sable, mas de Conet...), dabei sicher auch manch eine berühmte Stierzucht.
Und zum Schluß begegnet uns noch einen Pfau

Der Pfau war eines vieler Tiere in einem "pädagogischen Erlebnisbauernhof", der zum Glück auch kalte Getränke verkauft hat. Wir hatten nämlich den ganzen Tag vergeblich nach einem Bistro, Café, Supermarkt Ausschau gehalten, und es hatte nichts, gar nichts gegeben. 10 km vor unserem heutigen Ziel haben wir endlich die Wasservorräte auffüllen können.
Und jetzt sind wir wirklich raus aus der Camargue. Schade, es hat mir so gut gefallen.
Und jetzt noch einmal ich:
Während Friederike fleißig im kühlen Zimmer in die Tasten gehauen hat, habe ich mich tatsächlich noch einmal in die Hitze gewagt. Die Burg an der Rhône hat mich zu sehr gereizt und die Kirche sah auch seehr vielversprechend aus. Also noch eine Runde Kultur, nachdem wir gestern so kläglich versagt haben,
Beim Reinfahren fällt natürlich zuerst die mächtige und äußerst kompakte Burg auf. Aber so alt, wie sie von aussen erscheint, ist sie nicht. Sie ist eigentlich "erst" im 15. Jahrhundert entstanden. Hier war die Grenze (eigentlich schon eine ganze zeitlang) zwischen Frankreich und dem Hl.Römischen Reich, zwischen dem Languedoc und der Provence. Innen wird deutlich, der René, der Erbauer war ein Mensch auf der "Höhe der Zeit". Aussen Mittelalter, innen Renaissance, irgendwie heiß die Mischung.
Der Rundgang geht immer höher. Dabei ist doch die Friederike die Türme Besteigerin. Lange war der Turmvon Tarascon der höchste zwischen Arles und Avignon.
Der Rundumblick ist wirklich toll.
Die Burg ist heute auch so etwas wie eine Galerie und Museum für moderne Kunst. Mit einem Lieblingsthema: Drachen.
Das ist mein Lieblingsdrachen der Ausstellung. Und jetzt kommen wir zur Geschichte des Abends. Wollt Ihr eine Gutenacht/Guten Morgen/Siesta- Geschichte hören?
Also gut:
Wir schreiben die ersten Jahrzehnte der Neuen Zeitrechnung. Eine Person, die noch in der Bibel erwähnt wird, taucht hier in Südfrankreich auf. Marta von Betanien.
Aber von Anfang an;
Tarascon gibt es noch nicht. Es heißt zur der Zeit noch Nerluc und hatte ein Problem. Ein riesiger Drache, blau schimmernd ernährte sich in der Gegend von Vieh, Wanderern und Jungfrauen. Was zu seinem sehr schlechten Ruf führte, Tarasque ist nicht beliebt in der Gegend. 16 tapfere Männer wollen dem Drachen an die Schuppen, ohne Erfolg. Die eine Hälfte wurde vom Feuerstrahl des Drachen geröstet, die andere Hälte flieht.
Die Nerlucer schicken darauf hin eine Delegation an den König (welcher König, das zu Römerzeiten gewesen sein soll, egal bei guten Geschichten darf man nicht so pingelig sein). Doch die Edlen des Landes finden,
a. bewache der Drachen keinen Schatz,
b. fräße er die Jungfrauen gleich, also gäbe es kein Jungfrauen zu befreien und
c. auf ein paar Bauernlümmel und Wanderer kommt es nun wirklich nicht an. Die Delegation kehrt enttäuscht nach Nerluc zurück.
Zur gleichen Zeit landet bei Les-Saintes-Maries-de-la Mer ein kleines Schiff mit eben der Marta aus der Bibel. Jungfrau ihres Zeichens, weiß gewandet. Die Bewohner von Nerluc bitten die Heilige um Hilfe.
Diese nimmt zwei Äste, machte ein Kreuz daraus, setzte sich an die Rhone und beginnt zu singen.
Der schreckliche Tarasque ist nicht nur menschenfressendes Ungeheuer, sondern auch Musikliebhaber. Er hört die Musik, taucht aus der Rhone auf, kommt ans Ufer und schläft neben Marta wie ein Schoßhündchen ein. Da nimmt die Heilige ein Seil, bindet es dem Untier um den Hals, und führte es ins Dorf.
Das ist ein großer Fehler. Die Dorfbewohner sind durchaus nachtragend und steinigen das Schoßhhündchen der Heiligen, zu deren Entsetzen.
Soweit die wirklich einzig wahre Geschichte aus dem Jahre 48 nach Christi.
Was später daraus gemacht wurde, konnte ich in der Stiftskirche zu Tarascon bewundern.
Mit Weihwasser und Wedel (48 n.Chr.!!) rettet sie das adipöse Kind aus dem Rachen des Drachen.
Ne, reine Propaganda.
Die Reliquie der Hl Martha (ich habe nicht herausgefunden, welcher Körperteil uns erhalten geblieben ist) wurde zum Renner für Pilger und sonstige Drachenbekämpfer.
Der Neunte Ludwig, von dem gestern schon die Rede war, ist zum Beispiel, ehe er sich auf den Kreuzzug nach Jerusalem machte, in Tarascon vorbei gekommen und hat ihr seinen Drachenkampf im Heiligen Land gewidmet.
Was ich interessant finde,
Führt die Lady im Bild von Uccello den Drachen nicht auch problemlos an der Leine, als ihn der tapfere St.Georg ihn einfach absticht? Was hat es mit den Drachen und den Jungfrauen wirklich auf sich?
Wie können wir das tiefenpsychologisch deuten?
Das ist die Hausaufgabe für Morgen.
Gehabt´s Euch wohl.