Freitag, 15. Juli 2022

Nachklapp

 Wenn ich unsere Reise Revue passieren lasse, frage ich mich, ob es von den 10 Touren die abwechslungsreichste war?

Natürlich ist es schwer so unterschiedliche Touren zu vergleichen und alle waren schön. Aber die diesjährige hatte so viele unterschiedliche Etappen.

Zuerst natürlich die Luxusanreise! Besser geht nicht!


Danke noch einmal!

Ganz sicher haben wir auf keiner Reise mehr unterschiedliche Landschaften durchradelt als auf dieser und eine interessanter als die andere.


Zuerst der raue Charme des Atlantiks

Mit der unglaublichen Marais im Hinterland.
Und verbunden mit dem ersten kulinarischen Highlight der Reise. Die Austern frisch aus dem Klärbecken. Frischer geht nicht.
Dann die unglaubliche Gironde, Garonne und dann die Kanäle ans Mittelmeer.


Absolute Traumtage, wenn man mal von den Ausreißern in die Berge absieht (fast schon vergessen)



Dann das Mittelmeer und die legendäre Fahrt übers Wasser, Flamingos inklusive.


Dann die Camargue. Stiere, Vögel, Pferde 

Die Rhone ignoriere ich jetzt mal. Selbst Schuld wenn man sie aufwärts fahren will. Das Val d´Isere dagegen wieder einsame Spitze - wenn auch anstrengend.


Aber dafür, das Zimmer mit dem spektakulärsten Blick!
Dann die Berge

und die Seen


Und zum Schluss die aussergewöhnliche Aare



Und all das auf einer Reise! 
Von den kulturellen Highlights ganz zu schweigen.


Bordeaux

Für mich ein absolutes Highlight, St. Serin in Toulouse,
Aber natürlich auch

Carcasonne, klar
und Avignon, sowieso


Aber auch die tolle Geschichte der Hl Marthe von Tarascon


Dagegen können die "Säulenheiligen" der Reformierten schwerlich dagegen an.

Was wird sonst noch in Erinnerung bleiben von dieser Reise?

- Die unglaubliche Freundlichkeit und Höflichkeit der Franzosen haben mich sehr beeindruckt.
- Im Gegensatz zur Bruddligkeit und Unhöflichkeit der Berner und Aargauer.
- Die obszönen hohen Preise in der Schweiz. 
- Und den auffallenden Unterschieden zwischen den Touristenhotspots und dem "normalen 
   Frankreich". Je mehr Touristen, desto teuerer und desto schlechter Service und Qualität des            
   Essens. Aber das überall auf der Welt so, nehme ich an.
- Was mir schon auf vergangenen Reisen in Frankreich aufgefallen ist, wie die Bierangebote von 
   Jahr zu Jahr mehr von belgischen Bieren dominiert wird. So sehr ich Belgisches Bier schätze,  
   aber  nicht im Sommer, da sind mir leichtere Sorten lieber.

Heute Abend, hier auf der Terrasse, bei milden Temperaturen werde ich die unglaubliche Hitze des gestrigen Tages langsam los.
Friederike ist eben auf ihre 24 Stunden Nachtwanderung aufgebrochen und ich lege jetzt die Beine hoch und Morgen fängt die Planung der nächsten Reise an.
Schön, dass Ihr dabei wart - bleibt uns gewogen! 
Und hoffentlich bis zum nächsten Jahr.





















Donnerstag, 14. Juli 2022

40. Tag: Von Olten nach Engen

 die Karte



Gee, it´s good to be back home. Und mein Lieblingsberg und der Rückenwind haben mich die letzen Kilometer den Berg hinauf geschoben.
Ok. Es war anders geplant. Aber das hatten wir ja schon vor 3 Jahren. Ziemlich genau gleich.
Nur, dass ich damals die Reuss runter geradelt kam. 
Aber von Anfang an.
Der Aare Radweg, der 5er! Das ist der Richtige. So schön, so entspannt und immer flussnah. Ok. Aus Olten raus, habe ich mir ein paar Flussschlingen gespart. Dafür bin ich am "Stammwerk"(?) vom Schwiegersohn vorbei gekommen.

vorbei gekommen. Von Atomkraftwerken gibt es heute keine Fotos.


Heute waren es wirklich Traumwege entlang der Aare. Leichter Rückenwind, es flutscht nur so. 


In Aarau ist es noch zu früh für die Banane und viel zu früh für den Kaffee. Weiter geht´s !


Warum an der Biberburg ein Bär ist, keine Ahnung.
Und selbst hier


am "Bio Badi Bistro" ist es eigentlich noch zu früh zum Kaffee. Aber ein tolles Freibad allemal. Diese kleinen "Freibäder" in der Schweiz, die haben schon was.


Die Aare wird immer größer. Die Standup-Paddlerin, habe ich einige Kilometer begleitet und immer mal wieder getroffen. Denn so ganz ufernah ging er 5er Mittellandradweg dann doch nicht.


"Hier landen"! An der Staustufe habe ich die Paddlerin bei meiner 11:00 Uhr Banane getroffen - bei meiner letzten auf dieser Reise, wie es sich wenige Kilometer weiter unten rausstellen sollte.
In "Null-Komma-Nix" bin ich in Brugg.
Genau wie vor drei Jahren. Und genau an der selben Stelle


setze ich mich auf die Bank. Meine heutige Unterkunft ist noch 10 km weg. Es ist 11:30 Uhr. Was mache ich den Rest vom Tag in Unterwennigen? 
Ich rufe bei "Conny B&B" an: "Sorry, passt doch nicht so richtig in die heutige Reiseroute." "Kein Problem, stornieren wir!"
Danke Conny! 
Ich will jetzt eh wissen, wie die Geschichte mit der Aare ausgeht.


Im Rausfahren aus Brugg komme ich noch an dieser "Monsterpusteblume" vorbei. Im Vergleich mit dem Fenster - 50cm Durchmesser? Weiß jemand was das ist? 
Und weiter geht es die Aare abi! Und jetzt ist sowohl die Reuss als auch Limmat geschluckt. Beide münden ganz in der Nähe von Brugg in die Aare.


Jetzt kann man sich vorstellen, dass die Aare größer ist als der Hochrhein.


Kurz vor der Mündung. Leider bin ich an der Stelle nicht vorbei gekommen. Ich muss rüber nach Koblenz und über den Rhein.

Wie soll es nun weiter gehen? Die ganze Strecke nach Hause schaffe ich nicht  komplett. 13:30 und es ist gnadenlos heiß!
In Tiengen biege ich an den Bahnhof ab. 2 Stationen bis Schaffhausen. Die gönne ich mir. "Der 
RE 323 nach Friedrichshafen hat keine freien Fahrradplätze, Suchen sie nach alternativen Verbindungen" Witzig! Welche Alternativen fallen mir jetzt dazu ein? Über Lauchringen und Tengen heimfahren? Da falle ich vom Rad. Warten wir mal ab. 
Der RE hat natürlich Verspätung. Und die ganze Zeit  DAS BAND: "Keine Fahrradplätze auf dieser Verbindung". Der Zug kommt. 2 Fahrradabteile. Ich renne zum hinteren. Ein netter junger Mann hilft mir in den RE - von wegen Niederflurwaggons. Ich bin drin. Kein Fahrrad weit und breit. Auf den Fahrradplätzen sitzen Leute. Aber es hat auch sonst noch jede Menge freie Plätze. 
Der bwegt- Zug. Baden-Württemberg, kraucht die Hänge hoch. Wird er es nach Schaffhausen schaffen?  Kein Kommentar zum Fuhrparkt der DB.
Ich bin in Schaffhausen! Yippih! Auf geht´s nach Hause. 
Meine Lieblingsroute durchs Bibertal!


17:30 in Engen. 86 km heute. 1.848km insgesamt.
Und ein Resümee Morgen.
GEE, it´s good to be back home, home is where I want to beeeeee....
Gehabt´s Euch wohl.
Und auf ein letztes Mal!
















Mittwoch, 13. Juli 2022

39. Tag: Von Biel nach Olten

 die Karte

Nicht jeder Tag kann ein Toptag sein. Heute war durchwachsen,  30 wunderschöne und 40 vergessen-wirs-schnell-Kilometer.  


Das Alpenpanorama zu meiner Rechten. Der Jurarand zu meiner Linken. Die Aare? Macht sich rar. Beim Rausfahren aus Biel geht der Radweg an einem Aarekanal entlang. 
Biel ist d i e Uhrenstadt der Schweiz schlechthin. Aber dass hier so viele Weltmarken an diesem Kanal aufgereiht sind, hätte ich nicht gedacht.

Omega


Swatch und Tissot
und dann natürlich


Rolex

Und dann noch Breitling.... Und all die,  die nicht auf dem Weg lagen, oder die ich vielleicht garnicht kannte.
Nicht uninteressant. Aber nicht so ganz meine Welt. Sicher die Präsision und das Handwerk etc. das ist schon faszinierend. - Doch darum geht es bei den Marken ja nicht wirklich. Es ist die perverse Welt des "Schau her wie reich ich bin!"

Die "Witi" zwischen Biel und Solothurn ist herrlich flach. 
Die Infotafeln weisen darauf hin, dass die "Witi" Hasenland ist. Hier mümmelt die größte Schweizer Hasenpopulation.

Der 50er Radweg,  die "Jura-Südfuß-Route"  ist  super ausgeschildert. Das war mein Weg bis heute, von Genf nach Olten, 253 km. 
Vor Solothurn "findet" der 50er die Aare. 


Für einige Kilometer ist es ein schöner Aare-Radweg.


Solothurn liegt genau richtig für den 12:00 Uhr Kaffee. Idyllisch an der Aare, gegenüber das Alte Spital.
Solothurn ist eine schöne Stadt.
Gässchen, Brunnen, Kirchen. 

Von den 11 Brunnen der Altstadt hat mir der Simsonbrunnen am besten gefallen. Das ist schon gekonnt, wie der Simson dem Löwen das Maul aufreisst. Simsonbrunnen gibt es mehrfach in der Schweiz. Vermutlich wurden sie von der Metzgerzunft gestiftet, weil der Simson doch immer mit einem Eselskiefer dargestellt ist.

St. Ursen ist das Wahrzeichen von Solothurn. Klassizistisch streng, eher unkatholisch. 

Und dann kommt die "Brücke der Entscheidung"


Hier trennen sich die Route 50 und die Route 5, die "Mittelland-Route", von Lausanne nach Romanshorn. Klar, die beiden sind über weite Strecken identisch. Aber hier geht die 50 links weg von der Aare und die 5 geht über die Brücke und geht..? Ich bleibe bei der 50, wir beiden sind gut miteinander gefahren- bislang!!!
Und das war ein Fehler. Beide werden als "kinderfreundlich" beschrieben. Liebe Schweizer, was ich heute auf der 2.Hälfte meiner Tagesstrecke erlebt habe, ist alles andere als "kinderfreundlich". Zum einen jucke ich in halber Hanglage rauf und runter - aber vor allem bleibt die 50 fast immer am Rand einer vielbefahrenen Nationalstraße - und immer wieder auch auf dieser. Der "gelbe Strich" deutet zwar einen Radweg an, aber wenn sich 2 LKWs und ein Radfahrer begegnen wird es eng. Und so geht es über fast 40 km.
Aber irgendwann ist Olten erreicht.




Die Holzbrücke über die Aare ist sicher das Highlight. Aber auch die Altstadt ist ganz nennt.

 
Es ist heute Abend drückend heiß, selbst an der Aare ist es nur unwesentlich kühler. Der Kirchturm, der das Bild der Altstadt prägt, ist ein Fake. 


Eine Kirche dazu gibt es schon lange nicht mehr. 
 

Und dann war da noch der Aargauer Bauernkrieg in den 1650ern. Nach dem 30jährigen Krieg war die Landbevölkerung so verarmt, dass sie gegen Steuererhöhungen rebellierte. Die Oltener waren so keck und schlossen sich den Bauern an, was schwerwiegende Folgen für sie hatte. 
Und sonst? Ist es einfach nur heiß heute Abend. Einfach nur stickig heiß.
Hoffen wir mal, dass es Morgen früh, am vorletzten Tourtag einigermaßen abgekühlt hat.

PS. Es lag sicher nicht an der Hitze, dass die Freundlichkeit unter den Menschen im Berner Oberland deutlich nachgelassen hat. Grüßen? Warum auch. Heute Morgen kamen mir in Biel einige Leute auf dem Radweg entgegen. "Warum fährst du nicht unten auf der Straße? Eh?". "Entschuldigung, das ist der Radweg!"

Einen kühlen Abend noch! Und bis Morgen!




























Dienstag, 12. Juli 2022

38. Tag: Von Yvonade nach Biel

 die Karte


Die schönsten Radstrecken der Welt! Aus meiner eurozentristischen Weltsicht natürlich - und den Erlebenissen der letzten 10 Jahren:

kein Ranking möglich:

- die Fahrt über das Wasser: Rhone-Seiten-Kanal

- die Bahntrasse hinauf durchs Gailtal und hinunter nach Italien

- Von Atzwiler nach Straßburg und danach die kleine Camargue

- Die Donau zwischen Tuttlingen und Sigmaringen

Die Fahrt durch das "Eiserne Tor"-Porțile de Fier 

Die Fahrt durchs Ebrodelta

Die Fahrt über die Venezianischen Inseln

Die Fahrt den Ticino hoch und die Reuss runter.

Die Fahrt von Spindlermühle nach Königgrätz, sorry Hradec Králové.

  - UND: Die 3 Seentour von Yverdon nach Biel

   Der heutige Tag gehört definitiv unter die Top Ten.

Aber: 72 km! Das ist viel! Egal!  4x schieben-  um die 15%! Egal! Rauf und runter! Egal! Gegenwind! Blas mir in´Schuh! Eine gesperrte Brücke - ein ziemlicher Umweg. Steig´mir in´d Tasch! Es war einfach schön hier zu fahren!


Im Frühstücksraum war es schon ziemlich warm. Heute wird es heiß. Die ersten 10 Kilometer bis Estavayer-le-Lac - wie gehabt im Schilfgürtel. Wenig Wind, schön kühl. So kann es weiter gehen.


Es läuft richtig gut. Eigentlich hatte ich ja vor, um von den 70 km was runterzunehmen und von Estavayer nach Neuchȃtel die Fähre zu nehmen. Eine Stunde übern See. Doch sie fährt erst um 10:20 . 
2 Stunden hier warten, wo der Tag noch recht kühl ist? Da fahr ich die Kilometer doch lieber ab. 


Hinter Estavayer kommt die erste Bergwertung, die erste Schiebestrecke.


Da drüben ist schon Neuchȃtel. 
Die gesperrte Brücke von der oben die Rede ist, führt über den/die Broye. Die nächste Brücke ist Richtung Murtensee! Da will ich auf gar keinen Fall hin.
Ich bin jetzt im Dreieck zwischen den 3 Seen. Einmal der Neustätter See, dann der Murtensee und vor mir der Bieler See, da muss ich hin. Und in diesem Dreieck geht es hügeltechnisch ganz schön zur Sache. 2. und 3.Schiebestrecke.
Alle 3 Seen sind untereinander verbunden. Der/die Broye kommt vom Murtensee und geht in den Neuchȃteler See. Zwischen diesem und dem Bieler See gibt es einen Kanal. Einige Flüsse speisen den Lac Neuchȃtel, aber der größte Fluss, der in die 3 Seen fließt, ist die Aare.
Doch davon mehr.
Nach dem Schlenker Richtung Lac de Morat zurück Richtung Ins. 

Zwischen den Seen verläuft der "Röstigraben". In Ins weht der Bär. Die Fahne von Bern. Im Migro kaufe ich eine Limo. Puh! Ich dachte, ich verstehe ein bisschen Schwyzerdütsch. Hier nada, niente, nüt!


Und dann der Bieler See. Viel kleiner, viel grüner. 



Bis Vinelz geht es gehörig rauf und runter. Aber gut fahrbar. Und dann kommt die Aare und der Aarekanal



Hier, an der Mündung in den Bieler See wurde schon Ende des 19.Jh. das erste Elektrizitätswerk errichtet.

Die Aare fließt bei Biel wieder aus dem See. Sie werde ich die nächsten beiden Tage begleiten. 



Was ich nicht wusste: Die Aare ist der wasserreichse Nebenfluss des Rheins überhaupt. Wenn sie bei Koblenz in den Rhein fließt,  hat sie mehr Wasser als der Hochrhein. Mehr Wasser als Main und Mosel zusammen und auch mehr Wasser als die Maas.
Klar, bei Baden fließt die Reuss in die Aare (die bin ich auf der Italientour runtergerauscht) und kurz danach auch noch die Limmat, das sind keine kleinen Bäche!!
Ich bin gespannt wie es weiter geht.


Heute gab es Badeplätze für Friederike ohne Ende! Aber auch schöne Plätze für eine Mittagspause.
Jetzt mal ehrlich! Was soll die Frage, natürlich habe ich die Badehose nicht rausgeholt! 

In Biel bin ich in der Neustadt gelandet. Ehrlich gesagt, ist mir nicht mehr so wahnsinnig nach Stadterkundung zumute. Das mache ich "im raus"!
Aber ein Gebäude in der Nähe des Bahnhofes und meines Hotels ist mir gleich aufgefallen.


Das Vokshaus Biel ist ein architektonisches Glanzstück der "Moderne" - zusammen mit dem Limmathaus in Zürich die Vorzeigestücke einer "linken Architektur" in der Schweiz. "Roter Klinker für das rote Biel" oder als  "Sowjetstil" beschimpft ist der 90 Jahre alte Bau absolut spannend und ein Beispiel für das Neue Bauen der 20er und 30er Jahre. Hat ein bisschen was hanseatisches. Eduard Lanz hat auch in Berlin und Norddeutschland gearbeitet. Hat mir sehr gefallen.

Die Endrunde ist eingeläutet. Noch 3 Tage.
Mal sehen, was die Aare so zu bieten hat.
Grüezi miteinand!
Bis Morgen!