Sonntag, 3. Juli 2022

29. Targ: Von Orange nach Montélimar

 die Karte


Ein Tag mit sehr unterschiedlichen Seiten. 70 km bei ziemlicher Hitze, könnte nervig sein. War es aber nur teilweise. Die ersten 20 km dasselbe Rumgegurke durch die Felder, mal links herum mal rechts herum. Das einzig Gute war, dass so der Gegenwind mal links von der Seite, mal rechts von der Seite kam. Natürlich sind Sonnenblumen- und Lavendelfelder immer schön und natürlich mit dem Mont Ventoux im Hintergrund besonders


Bei Mornas die Burg


Seit Jahren wollen wir mal Halt machen und uns die Burganlage anschauen, zumal sie bis vor einigen Jahren so eine Art Campus Galli, für Bauweisen des  Mittelalters war. Heute scheinen  sie eher Richtung Mittelaltermärke und Mittelalterspielen zu machen. 
Ist ja auch von unten schön.
Von ViaRhône die ersten 30km - keine Rede. Wie gehabt, irgendwo da drüben muss die Rhône sein.
Wirklich unangenehm ist dagegen, dass der offizielle Radweg Orte meidet. Keine Chance eine Limonade zu bekommen, einen Kaffee zu trinken und die Wasservorräte aufzutanken. 
Bei Bourg-Sant Andéol habe ich die Faxen dicke


Ich fahre über die Brücke, da ist doch ein Café direkt am Fluss!!!
Und siehe da, auf der anderen Seite gibt es auch einen Radweg, - ok, das war der Grund, warum es dann um die 70 km wurden, aber der Radweg auf dem gegenüberliegenden Ufer war es das wert. Eine ViaRhône, die den Namen verdient hat. 
Ein wunderbarer Weg durch Auwälder, im Schatten, auch geteert ohne Verkehr.


UND - Friederike! Sogar lauschige Badestellen!


Dass die Rhone auch so eine Art "Durchbruch" hat, habe ich auf der ersten Reise nicht sehen können, da bin ich irgendwo in den Hängen rumgegurkt. Dieser Abschnitt war wirklich sehr schön.



Auf den letzten 10 Kilometern wäre ein wenig Schatten nett gewesen, da hat die Sonne ganz schön gepratzelt.



Ultra-chaud! 
Im Hotel, schön klimatisiert, schaue ich nach, was ich in Montélimar noch nicht gesehen habe.
Die Burg! Muss man eigentlich gesehen haben. Macht um 18:00 zu. Scheint nicht weit zu sein. Also bis 17:00 Siesta und dann!
Komme ich aus dem Hotel! Pamm! Immer noch 36° und die Burg ist oben auf dem Hügel. War das der Grund, warum ich den Petit Mont d’Adhémar schon das erste Mal nicht geschafft habe. 


Die Familie Adéhamar hat sie im 12. Jh. bauen lassen. Dann - hat sie? Wer wohl? Der Papst natürlich eingesackt und dann war sie bis ins 20.Jh. Gefängnis. Heute wird moderne Kunst in der Burg ausgestellt. - Und trotzdem habe ich es nicht geschafft.
Schon im Schatten zu sitzen und auf ein kaltes Erfrischungsgetränk zu warten, war Anstrengung genug. Fanden auch die Hühner


Habe ich auch noch nicht erlebt. Die Promenade unter den großen Platanen ist kein Dorfplatz. Aber warum nicht, Hühner sind mir allemal lieber, als die Tauben, die von den Nachbartischen aus auf  Beute warteten.
Und die Spezialität von Montélimar - Nougat - habe ich auch nicht probieren wollen. Geklebt habe ich schon von allein.
So viel für heute!
Bis Morgen.

Und jetzt ist Friederikes Bericht von Ihrer Heimkehr eingetroffen!!

So sah es gestern aus, als unsere Wege sich getrennt haben:


 


 

Dynamisch der Manne,

und mein Fahrrad und ich im super schönen TGV-Bahnhof von Avignon.

 


 Das Einchecken ist eher wie im Flughafen und genauso aufregend, ob man auch alles dabei hat, ob das Ticket stimmt, ob das Gepäck okay ist….Und natürlich ist vor mir in der Schlange einer, der sein Fahrrad im Sack verpackt hat und überzeugt ist, dass das nur so geht.

Quatsch! Alles war okay, die Fahrt sehr angenehm und schnell bis Straßburg.

Im Zug nach Offenburg ging’s dann los , man quetscht sich, es ist heiß, man muss stehen und das Fahrrad bei jedem Stopp hin-und her manövrieren, damit die Leute ein- und aussteigen können, dann Schienenersatzverkehr auf der Schwarzwaldbahn, also von Offenburg erstmal nach Freiburg, dann Donaueschingen, und bei jedem Umsteigen die Frage ob man es schafft sich hineinzudrücken oder nicht.

Aber geschafft! und auch ein paar nette Begegnungen gehabt:

Ein junger Rennradler erzählt von seiner Tour Basel-Marseille in einer Woche, dabei auch noch viermal auf den Mont Ventoux hoch -und runtergefahren. Das macht man so als ambitionierter Radfahrer, wenn man da vorbeikommt. Er interessiert sich auch für meine Radtour, „ach so was mache ich auch mal, hört sich gut an, ….also später dann“ 😊😊

Und mit einem anderen Radfahrer tausche ich schöne Radstrecken und Studentenfutter aus. Er fährt bis Villingen und da sein Zug nach St. Georgen ausfällt, radelt er eben das letzte Stück.

Und eine ukrainische Familie, die mir schon im Zug von Straßburg mit dem Fahrrad hilft, und die ich immer wieder sehe und schließlich kommen wir in Donaueschingen ins Gespräch. Ja, sie wohnen in Engen, ja es gefällt ihnen schon gut, aber es ist ein bisschen klein und schade, die Altstadt ist immer so leer….die zwei kleinen Mädchen sagen ganz schüchtern „guten Tag“.

Ja, Zugfahren kann ganz schön kommunikativ sein.

Nun aber das Fazit von dieser Reise:

Es war eine wunderschöne Radreise, eigentlich waren es drei ganz unterschiedliche Touren: 

1.      Zuerst am Atlantik:

die Cote de Jade mit den Steilküsten und den kleinen Buchten und der heftigen Ebbe und Flut, das große Sumpfland „les Marais“

Das Land der Huitres, der Austern, mit den kleinen Ständen, an denen man sie direkt aus dem Wasser auf den Teller bekommt. Mit dunklem Brot, einer würzigen Zwiebeltunke und einem Glas Weißwein

Dann die Cote de Lumière mit den schönen Sandstränden und diesem unglaublich hellen Licht.

Die Cote d’Argent, wo die großen Dünen beginnen, die Surferstrände und das hippe Strandleben.

2. Die zweite Radtour ging an der Garonne entlang, in der man schön baden kann! Bordeaux, Toulouse, Canal du Midi, Hausboote, Mietboote, kleine Cafés und Kioske, Schleusen….Kanalradeln ist immer wunderschön und gemütlich. Dann wird’s immer mediterraner, die Märkte, Pinien, Lavendel.

3. Die dritte Radtour, durch die Camargue und in die Provence mit den netten alten Städtchen. Absolutes Highlight, die Fahrt von Sete nach Aigues Morte, wo wir auf dem schmalen Damm übers Wasser gefahren sind: Rhonekanal, Teich und Meer, alles blau, alles Wasser und wir mittendrin.

Essen war sehr gut bis gut und nur einmal schlecht.

Am besten waren die Austern! Soooo frisch! Wie ein Schluck pures Meer.

Und über den französischen Wein kann man ja auch nicht meckern.

Und mal wieder 10 Punkte für die Reiseleitung! Danke Manne!

 

War das die schönste unserer Radreisen?

Ja, ich glaube schon! Zumindest steht sie auf Platz eins, zusammen mit der Tour über die Alpen.

 

1230 km bin ich mitgefahren und jetzt nur noch eins:

Gute Weiterfahrt Manne und gaaaaanz viel Rückenwind!

 

 

 

 

 

 


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