Samstag, 2. Juli 2022

28. Tag: Von Avignon nach Orange

 die Karte

Der Tag der getrennten Wege! Friederike ist auf dem Weg nach Hause und ich mache micht auf den Weg nach Orange.

Ich war ziemlich angespannt, ob die Fahrradmitnahme im TGV wirklich klappen würde. Peter, der viel TGV fährt, hat noch nie ein "nicht verpacktes Fahrrad" im Schnellzug gesehen. Aber es gibt sie!! Friederike ist drin, hat Straßburg schon erreicht. Aber anscheinend gibt es keinen Zug mehr nach Offenburg. Schienenersatzverkehr. Drückt mit mir die Daumen, das Friederike gut heimkommt!!

Ich kann es heute ruhig angehen lassen. Es soll nur bis Orange gehen. Für alle Fälle, wollte ich am Morgen nicht gleich los müssen.


Ein Tag im Schatten des "Heiligen Berges" Mont Ventoux, vermutlich heilig, bei den Kelten, populär seit Petrarcha und Kult seit es die Tour e France gibt. Er ist zwar "nur" 1.9xx m hoch, aber die Bergankunft auf dem Mont Ventoux ist immer etwas besonderes.
Insgesamt wird Friederike gerne hören, dass ihre Entscheidung in Avignon in den Zug zu steigen, einiges für sich hat.
Wenn man bedenkt, dass Friederike keine Freundin


von Industriegebieten ist. Dass ich heute sogar eine Allzeitpremiere erleben durfte. Ich kann mich nicht erinnern schon einmal in einem nicht ganz kleinen


Stau gestanden zu haben. Dass es den ganzen Tag nicht eine einzige Bank gab, zum Pause machen,


Aber immerhin einen Minischatten, am Straßenrand. Auch Baustellen und gesperrte Wege gehören, wenn ich mir das richtig gemerkt habe, nicht zu Friederikes Lieblingsstrecken.


Aber immerhin bin ich keinen Meter Umleitung gefahren, und "absatteln" musste ich auch nicht.
So gesehen eigentlich ein ganz akzeptabler Tag.
Nein, wirklich es war recht abwechslungsreich. Die Rhone habe ich zwar nur ein paar hundert Meter begleiten dürfen. Dafür konnte ich mir auf dem Weg nach  Gedanken über den  Weinbau der Region machen.


Das ist schon ungewöhnlich! In der Region wächst der "Wein auf Stein"! Um Châteauneuf-du-Pape  sieht man den Boden nicht. Die Weinstöcke stehen komplett in Steinen. Großen Flusskieseln. Die sind auf die Felder geschafft worden. Keine Frage. Wahrscheinlich ist dies das Geheimnis der Qualität dieser Weine.



Burg und Weinberge "du Pape" gehen übrigens auch auf unseren berühmt berüchtigten Johannes XXII zurück. Er hat es geschickt verstanden, die Güter der Templer die der hochverschuldete schöne Phillip zerschlagen ließ, um an ihr Vermögen zu kommen, sich selbst unter den Nagel zu reißen.

Châteauneuf wirkt wie ausgestorben. Die Weinkellerprobierstubendamen langweilen sich an den Eingängen. Der Weinkenner ist wohl noch nicht aufgestanden oder macht gerade keinen Urlaub. Nur zwei junge Männer tragen ein edles Holzkistchen als Beute davon. Wahrscheinlich hat der Papa demnächst einen "Runden".


Heute ist der erste Tag der Reise mit einer "Bergwertung". Der Radweg führt hoch in die Weinberge. Die Rhone blitzt ab und an unten zwischen den Bäumen auf. 
Es wird langsam heiß. Der Gegenwind hält sich in Grenzen. Natürlich bin ich viel zu früh in Orange. Aber ich darf das Fahrrad immerhin schon mal in den Garten stellen. 
Orange hat "Weltkulturerbe". Das römische Theater ist wirklich ein Hingucker.


Mit dem Bau wurde schon zu Kaiser Augustus Zeiten begonnen. Orange gilt heute als eines der am besten erhaltenen römischen Theater überhaupt. Auch wenn sie, inzwischen für heutige Theaterzwecke deutlich aufgerüstet haben, was dem Gesamteindruck nicht wirklich gut tut. Doch die Rückwand der Bühne ist nach wie vor gigantisch.




Der Chor probt in der prallen Sonne. Das nenne ich Einsatz. Die Stücke scheinen so Richtung "Musical" zu gehen. Wobei ein Lied 100%  "Tochter Zion freuheuheuheu dich..." war, was angesichts der Hitze und der Strohhüte ein wenig surreal bei mir rüberkam.


In der Nachrömerzeit haben lange Zeit Menschen im Theater gelebt und sich Wohnungen in den inneren Umläufen gebaut. Während der Hugenottenverfolgung war das Theater regelrecht eine Fluchtburg.


Vielleicht ist das auch der Grund, warum man das Theater nur zum Teil als Baumaterial abgetragen hat und anderweitig wieder verbaute.
Orange, das römische Arausio, war übrigens auch zeitweise Teil von Oranien, Oranien-Nassau. Aber daher kommt die Namensänderung nicht. Als Orange zu Oranje gehörte, hieß es schon länger Orange.
Nach der Kurzstrecke Avignon-Orange blieb genügend Zeit für Museum und Stadterkundung. Heute habe ich sogar meine erste Erfahrung mit Virtual Reality - mit einer VR-Brille - gemacht. 
Die Show zeigt wie das römische Theater gebaut wurde. Allerdings saß man in der virtuellen Welt ziemlich weit oben. Da musste ich tatsächlich nach der Wand tasten, sonst wäre mir schwindlig geworden. Ganz schön gruselig.

Heute ist ein eigenartiger Tag. Irgendwie bin ich noch nicht auf allein-reisen eingestellt. In Gedanken bin ich bei Friederike und frage mich, wie es ihr auf der Heimreise ergeht. Andererseits fehlt mir die Co-Autorin.  Ich bin gespannt auf ihren Bericht von der Heimreise und ihre Schlussberachtungen.
Bei mir soll es ja noch etwa 14 Tage weitergehen - hoffentlich. Aber jetzt muss ich erst einmal etwas essen.
Bis Morgen!



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