Freitag, 1. Juli 2022

27. Tag: Ruhetag in Avignon

 Von wegen Ruhetag! Avignon hat viel zu bieten. 

An erster Stelle natürlich den Papstpalast. 




Ich verspreche Euch, nicht die ganze Geschichte dieses wahrhaft gewaltigen Bauwerkes zu erzählen. Aber einen kleinen Ausschnitt muss ich schon loswerden. Vor unserer Reise habe ich ein tolles Buch gelesen. "Die schwarze Rose" von Dirk Schümer. Die Geschichte dieses Mittelalter-Krimis setzt dort ein, wo Umberto Ecos, "im Namen der Rose" aufhört. Sie spielt 1328 in Avignon in der Zeit von Johannes XXII, der vielleicht schillernsten Papstgestalt der Avignonzeit und schafft es m.E. tatsächlich die historischen Fakten prall rüberzubringen.


Das ist er, der Jakob von Cahors , genannt der Fuchs. Ihm gelang es, im Machtkampf zwischen dem immer mächtiger werdenden Frankreich und dem Hl. Römischen Reich, persönlichen Profit herauszuschlagen - und das im allerwörtlichsten Sinne. Beim Konklave in Lyon, das über ein halbes Jahr dauerte, und bei dem die Kurienkardinäle eingemauert "werden mussten", damit endlich eine Lösung gefunden werden konnte, erwies er erstmals, warum er diesen Beinamen hatte. Klar war, die Französischen Kardinäle hatten die deutliche Mehrheit, aber sie konnten keinen Kandidaten durchsetzen. Bis Jacques Duèse auf einen Trick verfiel. Er mimte den Gebrechlichen, den Sterbenskranken. Die hygienischen Verhältnisse muss bei den Eingemauerten verheerend gewesen sein. Alle wollen raus. Da war es nur logisch, einen Totkranken zu wählen, der würde keiner Seite schaden - Hauptsache nur raus aus dem Gestank!
Dueze, der Sohn eines Schuhmachers, wird Papst Johannes XXII - und am Ende seines 28jährigen Pontifikats ist er der reichste Mann Frankreichs.
Schümer beschreibt sehr spannend und anschaulich, die Auseinandersetzung zwischen dem Papsttum und seinen schlimmsten Widersachern, den Franziskanern und ihrem "Armutsgedöns". Natürlich waren die Vorstellungen der Franziskaner, dass Jesus und sein Jünger einfach und in Armut gelebt haben sollen, dem auf Reichtum, Glanz und Macht ausgerichteten Papst ein Dorn im Auge  - pure Häresie! Und so musste die Inquisition natürlich einschreiten. Dieser jahrzehntelang geführte Armutsstreit, der ja schon bei Umberto Eco den Hintergrund bildet, hinderte den 22. Johannes nicht daran, das moderne Finanz- und Bankenwesen maßgeblich mitzugestalten,- einschließlich Nepotismus und Korruption. Die provencalischen Spiritualen wurden z.T. eingekerkert, aber der Oberfranziskaner Michael von Cesena wollte in erster Linie verhindern, dass der Orden gespalten wurde. Er sympathisierte zwar mit den Spiritualen, liess es aber nicht zum Bruch mit dem Papsttum kommen. Dafür wurden die "hartnäckigsten" Spiritualen in Südfrankreich gejagt vor die Inquisition gebracht - und auf den Scheiterhaufen.
Ein spannende Zeit! Dass nun ein "Franziskus" auf dem Stuhl Petri sitzt und keine roten Schuhe mehr trägt, hat wohl einige unverbesserliche Katholiken zu der irrigen Hoffnung verleitet, ein Franziskaner könne sich gegen das "Establishment" des Vatikans und die Banker vom "Heiligen Geist" durchsetzen.
Jetzt reichts aber mit Geschichte, auch wenn Avignon natürlich voll von ähnlichen Geschichten ist.

Ein drastisches Kontrastprogramm lieferte der Papstpalast selbst. In den tollen Räumen ist derzeit eine Ausstellung von Sebastião Salgado zu sehen. Und zwar sein wunderbarer "Amazonaszyklus". 


Aber davon wird Friederike mehr erzählen, denn es ist ja heute ihr letzter Bericht  von der Reise
(abgesehen davon, dass sie uns natürlich unbedingt erzählen muss, wie es ihr auf der Heimfahrt ergangen ist)

(frieda)
Der Papstpalast ist toll und wenn nächste Woche die Theaterfestspiele sind, sind die Ausfführungen im Schlosshof sicher das Highlight. 
Hier ein Blick auf die goldene Marienstatue, die weit über den Fluß blickt:


In der "großen Küche" gibt es einen seeeehr hohen Kamin, diese 18 Meter musste ich auf zwei Fotos verteilen:
 

Insgesamt haben die Päpste es sich hier recht gemütlich und schön gemacht, von den wunderbaren Wandbemalungen und Fußbodenkacheln durfte man leider keine Fotos machen. Ich habs mitten im Gewühle mal heimlich versucht. Um mich herum lauter Leute mit Tablets (die hat man am Eingang für die Besichtigung bekommen), die in alle Richtungen gehalten wurden. "Madame pas de foto, c'est pas de foto", enttarnte mich gleich die Wächterin. "Desolée, pardon", schnell weg.
Hier im päpstliche Garten:



Und klar, auf der "Sur le pont", die eigentlich Pont de Benezét heißt, waren wir auch. Also auf dem Stück, das davon erhalten ist. Die ganze Brücke hat sich über die beiden Rhonearme geschlängelt, ein imposantes Bauwerk, aber eine Eisflut im 16.Jahrhundert und insgesamt dieser mächtige Strom haben nur noch dieses kurze Stück übriggelassen.


Ein schöner, gemütlicher Besichtigungstag. Manne plant seine Tour für den morgigen Tag und murmelt etwas von "sch...ich muss schon wieder über Chateau-Neuf-du-Pape fahren", und "da gibts einfach keine andere Brücke" und "Mist, morgen ist Gegenwind" und ich werde mal in Ruhe meine beiden Radtaschen packen, inklusive "abgefahrenes" Kartenmaterial, das der Manne nicht mehr mitschleppen will und Lavendelpäckchen und andere Mitbringsel( wenig und klein und leicht!).
à bientôt!

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