Nicht jeder Tag kann ein Toptag sein. Heute war durchwachsen, 30 wunderschöne und 40 vergessen-wirs-schnell-Kilometer.
Das Alpenpanorama zu meiner Rechten. Der Jurarand zu meiner Linken. Die Aare? Macht sich rar. Beim Rausfahren aus Biel geht der Radweg an einem Aarekanal entlang.
Biel ist d i e Uhrenstadt der Schweiz schlechthin. Aber dass hier so viele Weltmarken an diesem Kanal aufgereiht sind, hätte ich nicht gedacht.
Omega
Swatch und Tissot
und dann natürlich
Rolex
Und dann noch Breitling.... Und all die, die nicht auf dem Weg lagen, oder die ich vielleicht garnicht kannte.
Nicht uninteressant. Aber nicht so ganz meine Welt. Sicher die Präsision und das Handwerk etc. das ist schon faszinierend. - Doch darum geht es bei den Marken ja nicht wirklich. Es ist die perverse Welt des "Schau her wie reich ich bin!"
Die "Witi" zwischen Biel und Solothurn ist herrlich flach.
Die Infotafeln weisen darauf hin, dass die "Witi" Hasenland ist. Hier mümmelt die größte Schweizer Hasenpopulation.
Der 50er Radweg, die "Jura-Südfuß-Route" ist super ausgeschildert. Das war mein Weg bis heute, von Genf nach Olten, 253 km.
Vor Solothurn "findet" der 50er die Aare.
Für einige Kilometer ist es ein schöner Aare-Radweg.
Solothurn liegt genau richtig für den 12:00 Uhr Kaffee. Idyllisch an der Aare, gegenüber das Alte Spital.
Solothurn ist eine schöne Stadt.
Gässchen, Brunnen, Kirchen.
St. Ursen ist das Wahrzeichen von Solothurn. Klassizistisch streng, eher unkatholisch.
Und dann kommt die "Brücke der Entscheidung"
Hier trennen sich die Route 50 und die Route 5, die "Mittelland-Route", von Lausanne nach Romanshorn. Klar, die beiden sind über weite Strecken identisch. Aber hier geht die 50 links weg von der Aare und die 5 geht über die Brücke und geht..? Ich bleibe bei der 50, wir beiden sind gut miteinander gefahren- bislang!!!
Und das war ein Fehler. Beide werden als "kinderfreundlich" beschrieben. Liebe Schweizer, was ich heute auf der 2.Hälfte meiner Tagesstrecke erlebt habe, ist alles andere als "kinderfreundlich". Zum einen jucke ich in halber Hanglage rauf und runter - aber vor allem bleibt die 50 fast immer am Rand einer vielbefahrenen Nationalstraße - und immer wieder auch auf dieser. Der "gelbe Strich" deutet zwar einen Radweg an, aber wenn sich 2 LKWs und ein Radfahrer begegnen wird es eng. Und so geht es über fast 40 km.
Aber irgendwann ist Olten erreicht.
Die Holzbrücke über die Aare ist sicher das Highlight. Aber auch die Altstadt ist ganz nennt.
Es ist heute Abend drückend heiß, selbst an der Aare ist es nur unwesentlich kühler. Der Kirchturm, der das Bild der Altstadt prägt, ist ein Fake.
Eine Kirche dazu gibt es schon lange nicht mehr.
Und dann war da noch der Aargauer Bauernkrieg in den 1650ern. Nach dem 30jährigen Krieg war die Landbevölkerung so verarmt, dass sie gegen Steuererhöhungen rebellierte. Die Oltener waren so keck und schlossen sich den Bauern an, was schwerwiegende Folgen für sie hatte.
Und sonst? Ist es einfach nur heiß heute Abend. Einfach nur stickig heiß.
Hoffen wir mal, dass es Morgen früh, am vorletzten Tourtag einigermaßen abgekühlt hat.
PS. Es lag sicher nicht an der Hitze, dass die Freundlichkeit unter den Menschen im Berner Oberland deutlich nachgelassen hat. Grüßen? Warum auch. Heute Morgen kamen mir in Biel einige Leute auf dem Radweg entgegen. "Warum fährst du nicht unten auf der Straße? Eh?". "Entschuldigung, das ist der Radweg!"
Einen kühlen Abend noch! Und bis Morgen!
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