Genf schläft. Die Partynacht war lang. Die Sonne scheint schon kräftig.
Bei der Ausfahrt aus Genf komme ich doch noch an einer der "großen" Institutionen vorbei. Die WTO war vielleicht schon mal wichtiger.
65 km am See entlang. Das hört sich erst einmal gemütlich an. Und die ersten Kilometer sind es auch. Die Luft ist frisch, kaum Verkehr. Der Radweg ist nicht immer abseits der Straße, aber immer deutlich markiert. Das haben die Schweizer wirklich raus. Selbst an Baustellen wird der Radfahrer nicht im Stich gelassen und nicht einfach umgeleitet.
Aber eine Flachetappe ist das heute nicht. Immer wieder geht es runter an den See durch einen Ort und dann wieder hoch zur Autostraße mit gelber Radspur.
Ist ganz schön, aber mit der Zeit lästig.
UND DANN!! Ich glaube es einfach nicht. Dass der alte Rhone so nachtragend ist!! Hat mich doch lange genug geärgert. Jetzt bläst es noch einmal kräftigst über den See. Zuerst von 1 Uhr, das geht noch. Da der Lac Lemand ein "Hörnchen" ist, werde ich zwangsläufig vor Lausanne noch in den vollen Gegenwind radeln. Und so ist es. Mann! Musste das jetzt sein. In Rollle trinke ich einen Kaffee. An der Apotheke steht 31°. Kann das sein, dass man bei 31° ins Frösteln kommt? Der Wind aus den Bergen ist auch noch kalt. Aber gemach, es wird noch deutlich heißer.
Mittagspause am See. Ein letzter Blick auf den Mont Blanc. Eine einzige Frau ist im Wasser. Sie krault Strecke. Als sie bei meinem Steg aus dem Wasser steigt, frage ich sie, wie kalt das Wasser sei. Sie meint "bestimmt 18°" - kam mir kälter vor!
Den Schweizer treibt es heute durchaus ans - aber überhaupt nicht ins Wasser. Liegt sicher auch am kalten Wind.
Gestern habe ich ja schon gesehen, wie steil die Ankunft in Lausanne hochgeht. Aber zu meinem Hotel ging es noch viel steiler hoch. 20° und Kopfsteinpflaster
Und nach dieser Schiebestrecke ging es in fahrbaren Serpentinen weiter nach oben. Mein Hotel liegt höher als die Kirchturmspitze der Kathedrale! Und da ist die Altstadt noch nicht zu Ende.
LAUSANNE. Wie kann man eine Stadt so verrückt anlegen! Kein Mensch will ständig auf und ab gehen. Vom Seeufer,, 357m, das Stadtzentrum liegt auf 495m und der höchste Punkt liegt bei etwa 700m. Und das Alles auf engstem Raum. Aber es ist ja nicht nur unten und oben.
Ich sehe von meinem Bärenhotel aus die Kathedrale. Luftlinie höchstens 150m. Doch als ich auf sie zu gehe, merke ich, da ist eine richtige Schlucht dazwischen. Runter und wieder hoch.
Mal ehrlich, welchen "evolutionären" Vorteil hat es, wenn man ständig rauf und runter muss. OK. man kann dem Feind auf den Kopf spucken. Aber zum Milchholen 200m runter, und zum Mittagessen wieder 200m rauf.
Der Lausanner und die *in sind jedenfalss superfit.
Lausanner ist noch ganz in den Nachwehen des gestrigen Ereignisses. Der Zielankunft der Tour de France.
Überall sind noch Stände und Büdchen und Musikbühnen, aber so richtig steppt der Bär heute Abend nicht mehr. Es ist einfach auch viel zu heiß.
Die Kathedrale ist beeindruckend.
Sehr schön ist die gotische Fassade restauriert. Sogar Farbreste haben sie erhalten. Das ist ungewöhnlich.
Und immer wieder bin ich völlig überrumpelt von den Treppen und Treppenhäusern Ausblicken ind dieser Stadt:
Zurück Richtung "Hotel zum Bären". Der Wind nimm auf einmal wieder Fahrt auf. Offensichtlich kommt er nicht mehr über den See allein, jetzt bläst er so was von gewaltig von oben runter. Das ist meine Fahrtrichtung Morgen.
Beim Abendessen räumt der Wind die Tische ab. Dort wo niemand sitzt werden Tischtücher nebst Gläsern, Teller etc. einfach runter geblasen und in der Ecke der Terrasse auf einem großen Haufen abgelegt.
Ich habe gerade nachgeschaut. Der Wind soll Morgen ähnlich stark sein. 30km/h aus Nordost. Meine Richtung.
Ich habe ein strenges Bergprogramm vor mir. Die ersten 20 km zwischen 6% und bis zu 10%.
Das schaffe ich mit 10 km/h - bei 30 km/h Gegenwind...? Fahre ich rückwärts. Noch einmal, ich schaffe 10 km/h, der Wind kommt mir mit 30 entgegen!
Manche finden ja Zahlen schön! Ich finde sie können auch deprimieren. Wenn Sie mir sagen, dass ich keine Chance habe... Dann möchte man doch lieber eine Hummel sein, die nicht rechnen kann und trotzdem fliegen...
Wenn es Morgen so windet, muss ich mir was überlegen. Es soll ja auch dramatisch heiß werden.
Ok, Friederike. Ich werde mein Bestes geben!
Wir hören von einander! Bis Morgen.
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