Dienstag, 5. Juli 2022

31. Tag: Von Valence nach Saint-Nazair-en-Royans

 die Karte

Das ist der Blick aus meinem heutigen Zimmer! Das macht die ganze Plackerei des Tages mit einem Schlag wett.

Ich habe nachgelesen. Eigentlich darf es den Mistral , den "Meister" (das kann man laut sagen), im Val d´Isere nicht geben. Was immer da geweht hat, als ich heute Morgen aus Valence gefahren bin, so richtig toll fand ich das nicht. Zumal es ziemlich schnell klar wurde, gemütliches flussabfahren wird das nicht. Die Isere lässt dich nicht "ran". So zuckle ich eben durch die Hänge, immer darauf bedacht "zweistellig" zu bleiben, was nicht immer gelingt.

Hadwig hat mir eine wirklich passable Alternative zum Isereradweg rausgesucht. 


Wenn ich allerdings vorher gewusst hätte, das sich die Höfe in dieser Gegend mit hohen, - sehr hohen- Hecken umgeben, dann hätte ich mir das noch einmal überlegt, hier entlang zu radeln.
Nach etwa 20 km, so der Plan, wollte ich zum offiziellen Radweg stoßen, in der Hoffnung gemütlich auf dem Radweg dahinzuradeln. War wohl nix. Die Isere ist kein Fluss zum gemütlich entlang radeln.


Da unten, geschätze 80-100 m unter mir, fließt der Fluss. Hat die Rhone ein fast türkisfarbenes Grün, so schimmert die Isere, milchig grünblau, wie allerfeinste Jade.
Dem Radweg zu folgen hatte einen gewaltigen Haken, denn tatsächlich führt der Weg immer wieder in  rasender Abfahrt hinunter, zu kleinen Orten am Fluss.


Dessen einziger Bewohner gerade vom Zahnarzt gekommen ist. Sein Haus ist wunderschön. Komplett aus großen Flußkieseln gebaut - und inzwischen mit dem für die franz.Alpenregion typischen flachen Walmdach. 
Spätestens jetzt ist klar. Meine vorletzte Etappe ist eingeläutet. Atlantik, Kanäle, Mittelmeer, Rhone, die Berge!
Der Radweg möchte das auf seine Art unterstreichen, für 5 min Ortsdurchfahrt geht es jetzt so was von steil nach oben. 12% , das lässt sich noch schieben, bei der 2.Abfahrt ging es anschließend 20% nach oben. Da kam ich tatsächlich fast an mein Grenzen.Wenn Du wirklich die ganze Zeit auf "Zehenspitzen" schieben musst, dann wird es spätestens auf den letzten 20m kritisch. Aber alles hat geklappt und ich und Hadwig haben uns die nächsten Streckenabschnitte etwas genauer angeschaut. Wenn es  80m über dem Fluss einen Kanal gibt, dann muss es auch kleine Sträßchen geben, die auf der Höhe bleiben. Und so war es auch. Aber Höhenmeter sind bis dahin schon einige zusammen gekommen.
Die Bourne Kanal, da oben ist selbst im kanalverrückten Frankreich ein Kuriosum.


Kurz vor Saint-Nazaire-en-Royan hat er sogar einen eigenen Tunnel.


Also als Transportweg kann ich mir dieses Kanälchen nicht vorstellen. Aber heute waren auf allen Feldern, die Bewässerungsanlagen am sprühen, oft bis auf den Weg. Vermutlich dient er heute der Wasserversorung und hat sogar ein gewaltiges Aquädukt bekommen. Siehe unten.
Wenn wir schon bei Architektur und Kanalbauwesen sind, eine Frage beschäftigt mich schon die ganze Reise - und Friederike ist es auch aufgefallen.


Wie in Drei-Teufels-Namen kann es angehen, dass in ganz Frankreich, und damit meine ich wirklich in ganz totally, komplett Frankreich, alle Kaffeetassen gleich aussehen? Wer hat hier ein so gigantisches Marketing hingelegt. Die Tassen sind nett, keine Frage. Weiß jemand was hinter dieser Kaffetassen-Verschwörung steckt? Trinke ich schon seit Wochen den Kaffee einer Marke?

St.Nazaire-en-Royans ist die Überraschung des Tages. Ein unglaublich idyllischer Ort. 
Erst einmal ein wenig verwirrend. Das Aquädukt scheint zum Bournekanal zu gehören.
Konnte ich leider nicht mehr hochfahren. Die haben schon um 17:00 Uhr zugemacht. Auch die Grotte war um 5e schon zu. Dabei bin ich nur 5min zu spät gekommen. Die romanische Kirche ist auch geschlossen, 


Im Bogen links vom Aufzug kann man mein Hotelfenster sehen. 

Und  hier ist die/der Bourne als Fluss, der ein Stück weiter untern in die Isere mündet.


Einen schöneren Platz zum Abendessen lässt sich schwerlich finden. Und wenn dann die Küche auch noch hervorragend ist, stellen sich milde Formen der Euphorie ein. Schöner Abend. Schöner Tag. Der Rest ist Geschichte.
Aber die Geschichte geht weiter. Die Berge kommen dem Fluss immer näher. Das bedeutet nichts Gutes.
Wir werden sehen.
Schaut Morgen wieder rein,
dann werdet Ihr erfahren, wie oder ob der Kanalradler zum Bergradler wird.





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