die Karte
Es hat geklappt! Ich bin wieder an der Rhone! Die ganze Aufregung - eigentlich unnötig. Aber nach den Erfahrungen in Beziers, und den Streiks und den Zugausfällen...
Es war sicher gut, dass ich mich entschieden habe, gleich in Grenoble in den Zug zu steigen. Denn rund lief es bei der französischen Bahn heute mitnichten. Schon beim Frühstück im Hotel wusste ich, der Zug ist in Valence nicht pünktlich abgefahren.
Und auch die anderen Züge, nach Annecy oder zurück nach Valence, 30 min, 40 min Verspätung. Mein Zug "nur" eine halbe Stunde, letztendlich doch auch 40 Min. Kritisch wird es bekanntlich erst dann, wenn ein Zug ganz ausfällt und die Fahrradfahrer sich zu klumpen beginnen. War aber heute Morgen nicht so. Das Fahrradabteil hat gut gereicht. 5 von 6 Plätzen belegt. Alle haben Sitzplätze. Welche Erleichtuerung. Sicher auch, weil es der erste Zug des Tages war.
Beim Hochfahren Richtung Genf dachte ich zuerst, "eigentlich schade, dass ich nicht doch 2 Tage mehr eingeplant habe, sah gut machbar aus. Doch dann kamen die Tunnel, was für den Radfahrer bedeutet, "da musst du drüber"! Ach, wie entspannt kann man über die Berge kommen.
Und dann der Kulturschock.
Vom ersten Schritt aus den Zug, ist klar. Ich bin in der Schweiz und dann auch noch in Genf. Das Geld hängt zu den Fenstern raus.
Aber natürlich ist es auch angenehm, wenn der Bahnhof dem Reisenden alle Annehmlichkeiten bietet.
Alle Bahnsteige sind mit sanften Rampen erreichbar. Keine Treppen, keine defekten Lifts. Respekt.
Dafür nimmt auch auch die eine oder andere alpenländischische Eigenheit in Kauf.
Mein Hotel, inmitten der absolut unbezahlbaren Edelschuppen, macht einen auf Chalet. Doch die Leute sind super nett.
Der nächste Schock sind die Preise. Alles ist mehr als doppelt so teuer wie in Frankreich. Aber das ist nichts Neues. Dafür habe ich aber ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr bekommen, einschließlich der Boote auf dem Lac und der Rhone.
Aber was sucht Euer Blogger wohl als erstes in Genf auf. 3x mal dürft Ihr raten. Falsch, falsch und falsch:
Nicht weitersagen. Zuerst war ich hier, wo Sissi gemeuchelt wurde.
Vor kurzem sind alte Fotografien von Ihr publiziert worden. Nichts für ungut Romy, aber die Frau war wirklich ein wenig vielschichtiger - und viel "moderner"!
Dann habe ich meinen Freifahrtschein ein wenig genutzt.
Die Fotos vom Boot aus sind leider nichts geworden. Der Wind der letzten Tage ist hier oben noch viel schlimmer. Seit heute weiß ich, wo der Mistral herkommt. Vom Lac Lemand pfeift er runter. Es ist unglaublich! Wenn der so weiterweht werde ich nicht bis Lausanne kommen. Zwar sind mir heute keine Stühle entgegen gekommen. Aber dafür wehte es das Wasser der Brunnen fast waagrecht weg.
Vorführeffekt. Immer wenn man abdrückt, lässt der Wind nach!
Dass es in dieser Protzststadt auch interessante Ecken hat, ist überraschend für mich. Die Kathedrale St. Peter. Die Keimzelle des Calvinismus. 28 Jahre hat er hier gepredigt, der Calvin.
Trister kann ein Kirchenraum nicht sein. Alles haben sie rausgerissen, übermalt. Nur das Wort!
Und die Musik.
Da regen sich die rechtschaffenen Gläubigen heute über die Taliban auf, wenn diese Buddhas in die Luft sprengen.
Eine Kapelle hat den calvinistischen Furor überstanden. Wohl, weil die Macabäerkapelle zur Rumpelkammer umfunktioniert worden war.
Die Ausmalungen haben den Bildersturm überstanden. Aufwendig restauriert hätte 2020 nach über 480 Jahren dort wieder eine "katholische"/ökomenische Messe gefeiert werden sollen. Ist wegen Corona ausgefallen. Dieses Jahr aber nachgeholt worden.
War St.Peter oberirdisch eine calvinistischen Gähnveranstaltung, so ist sie "unterirdisch" der absolute Kracher. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Die "archäologischen Keller" sind unglaublich. In einem unterirdischen Labyrinth, unter der Kathedrale, unter dem Vorplatz, hinunter bis zu den Römern, dann wieder hoch zu den ersten Resten der ersten Kirche aus dem 4.Jh. - Ihr könnt Euch das nicht vorstellen! Einfach super gemacht. Hunderte von Quatratmetern, Gänge, Treppen, Nischen...
Die ganze Kathedrale steht auf einem einzigen Termitenhügel, und den kann man begehen. Und der archäologische Laie versteht sogar einiges.
Am meisen begeistert hat mich diese Stelle:
Wenn man es erklärt bekommt, kann man tatsächlich erkennen, dass an dieser Stelle die größte Glocke der Kathedrale gegossen worden ist. Der Bogen vom oberen Rand der Glocke ist gut zu erkennen und auch die Kanäle wo das flüssige - oder überflüssige Metall ablaufen konnte.
In dieser Unterwelt sind Getreidedarren, Taufbecken, die gesamte Baugeschichte der Kathedrale Zug um Zug begehbar. Einfach fantastisch.
Was alles möglich ist, wenn man Geld hat.
Aber ich will Euch nicht langweilen mit meinem Ausflug in die Unterwelt. Schließlich habe ich noch andere Highlights erlebt.
Das Rathaus.
Renaissancewendel"treppe"- ohne Treppe zum Hochreiten, - 5 Stockwerke.
Und dann natürlich:
Das Geburtshaus Rousseaus. Über "Emile" habe ich den Magister in Pädagogik gemacht. Die arme Socke wurde von den Zeitgenossen exkommuniziert, um im 19.Jh. neben Calvin auf die Genfer "Säulen" gehievt zu werden.
Und auf dem Weg zum calvinistischen Monumentvalley habe ich noch einen "Meister" getroffen, über den ich an der PH meine Prüfung gemacht habe.
"Meister Piaget". Dieses Denkmal hat ihm die japanische Piagetgesellschaft gestiftet. Anscheinend wird er in Fernost höher geschätzt als in seiner Heimatstadt.
Und dann die "große Mauer" der Reformation
Farel, Calvin, Beze, Knox. Die Jungs haben sie anscheinend direkt für "Argonath" in Herr der Ringe engagiert, bzw haben die Filmemacher sich hier ihre Ideen geholt.
Als neutraler Beobachter finde ich es im "reformatiorischen Monumentvalley" schon ein bisschen, arg kleinlich einen gewissen Herrn Luther so mies zu behandeln.
Liebe Fundamentalisten, entscheidet euch einfach. Ist Luther für Euch wichtig, oder nicht. Ihr hättet ihn ja auch einfach weglassen können. Aber so, seine, ja was eigentlich, "Verachtung", "Überheblichkeit" "Engstirnigkeit" zu zeigen?
Mann, habe ich heute an einem Nachmittag viel sehen und erleben können. Abgesehen davon, dass Genf so was von teuer ist, kann man hier schon einiges sehen und erleben.
Da gibt es Topgalerien mit Kunst im Vorbeigehen und sympathische Biergärten an der Rhone. Wo mir heute ungelogen, der Schaum vom Glas geweht wurde.
Ach, by the way. Wir sprachen doch vor ein paar Tagen darüber, wie man Flüssen gerne eine "Persönlichkeit" gibt. Heute habe ich meine "Interpretation" der Rhone bestätigt gefunden.
"Macho-Rhone" hat so was von garnichts weibliches. Da bin ich mit der Darstellung des unbekannten Künstlers einig. Ob man gleich in Richtung Putin gehen muss, wie er sich mit der Rechten ins Lendentuch greift, - das tut dem "Naturburschen" vielleicht doch ein bisschen unrecht.
Und da ist das Genf des vulgären Reichtum.
War mir Grenoble sympathisch geworden, weil es eine Infrastruktur hatte, die Angebote für die Bewohner der Stadt machte. So ist Genf voll von Angeboten, die kein Mensch braucht und die ich nicht nachgeschmisssen haben möchte.
Bezinkanister, umgebaut als Bar für den Jäger von Welt.
Und wir hätten da auch noch ein paar Kartons voll "Hörnle" auf dem Speicher, aus denen man "stilvolle" Weingläser machen könnte.
Wie wär´s denn, liebe Superreiche, mal mit "Weltretten", "Hunger bekämpfen" etc., wenn ihr nicht mehr wisst, wie ihr Euer ergaunertes Geld unterbringen könnt.
Ich habe heute, in diesen Straßen durchaus noch regelmäßig Menschen russisch sprechen hören.
"Nichts für ungut", liebe Russen, keine pauschalen Verurteilungen - vielleicht wünscht sich Neffe Sascha ja einfach eine Hausbar im Benzinkanister zum nächsten Geburtstag, die er mit auf seinem Panzer in den nächsten "Sondereinsatz" nehmen kann.
Morgen noch ein Tag Genf. Ich freue mich auf neue Eindrücke. Ich lasse mich immer gerne überraschen.
CERN (?) kann man da mal reinschauen?
Völkerbund.
Museen?
Schaumamal!
Gehabt´s Euch wohl! Und Gute Nacht