Montag, 11. Juli 2022

37.Tag: Von Lausanne nach Yvonand

die Karte




Heute Morgen gibt es kein Zögern. Der Wind hat kein bisschen nachgelassen. Nordost. Das muss ich nicht haben.
Um die vielen Höhenmeter, die ich es gestern schon rauf geschafft habe, tut es mir leid. Aber es muss sein. Ich schiebe mein Fahrrad runter zum Bahnhof.
S1 Richtung Grandson. D.h. rüber an den Neuchȃteler See. Ich fahre einige Stationen hoch.
In Bevois bin ich mir einigermaßen sicher, dass ich überm Berg bin. 
Und da stehe ich im Nirgendwo. Ein Ort ist nicht wirklich erkennbar.
Aber der Wind kommt hier auf "freiem Feld" noch heftiger daher als in der Stadt. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass der Feldweg nach unten geht. Dennoch komme ich nicht über 10 km/h. 
Bin ich froh, dass ich mich für die Zugvariante entschieden habe.


Gegenwindtage sind Geduldstage. Wenn man sich nerven lässt, hat man verloren. Also strample ich mich langsam vorwärts.  Durch Sojafelder, Weizenfelder, Haferfelder, Rübenfelder, abgeerntete Rapsfelder, Sonnenblumenfelder,  Kartoffelfelder. Fruchtbare Gegend. Alles zu nieder um vor dem Wind zu schützen. Der Mais ist auch noch nicht hoch genug. Kaum Orte.
 Nicht auf den Tacho schauen. 
Bis hinunter nach Yverdon-les-Bains. Da bin ich wenigstens eine zeitlang geschützt.
Doch genau genommen ist es gar nicht so ein schlechter Radtag. Um 11:00 gibt es die Banane, um 12:00 einen Kaffee und um 13:00 Mittagspause am See. Was will man mehr.
Yverdon scheint ein Leistungszentrum für Pferdesport zu sein. Die Damen haben größeres vor.


Das Stadtzentrum von Yverdon ist schnuckelig.


Heute sitzen die Leute auf der Sonnenseite des Marktplatzes in den Cafés. Sicher nicht die Regel im Sommer. Und wenn treffe ich hier? Einen alten Bekannten!


Was hat noch einmal Yverdon mit Pestalozzi zu tun? Ein Heinrich ist ganz sicher nicht in der französischsprachigen Schweiz geboren. Ist er nicht Zürcher? 
Also: In dem Schloss (siehe oben) hat er 1804 seine berühmte Knabenbildungsanstalt gegründet, die bald in ganz Europa berühmt wurde und hier hat er auch wichtige Schriften verfasst. Ein Rechner war er aber nicht. Dazu hat er zu viele Schüler kostenlos unterrichtet. Die Lehrer bekamen kaum Lohn, nur Kost und Logis, das sorgt nicht für gute Laune - und Schüler sein war in Yverdon auch kein Zuckerschlecken. 60 Wochenstunden! 
Rousseau, Piaget und Pestalozzi auf einer Reise, nicht schlecht!

Yverdon-les-Bains hat eigenwillige Badehäuschen


Überall in den Parks der Uferzone, stehen sie am Wegesrand. Ich habe nicht so richtig rausbekommen, ob da Leute permanent wohnen, oder nur im Urlaub. Wirkt ein wenig wie eine Schrebergartenanlage, dann stehen aber wieder dicke SUVs davor. Wahrscheinlich muss man so ein Häuschen erben.




Neuchȃteler See hat heute jede Menge weiße Schaumkronen. Ein Segeltag für Könner und nur wenige Kitesurfer trauen sich aufs Wasser. Ob die Fähren Morgen fahren? Heute habe ich keine gesehen. Die nächsten Kilometer sind erträglicher.
Der Radweg verläuft im Schilfgürtel. Zwar hat der Wind nicht nachgelassen, kann aber nicht mehr so giftig angreifen.
Der Neuchȃteler See ist der größte See der Schweiz, der ganz auf Schweizer Staatsgebiet liegt. Die Schilfzonen sind gewaltig.  Die Grande Cariçaie ist das größte Feuchtgebiet der Schweiz. 


Es ist ein wirklich sehr großes Naturschutzgebiet.Verschiedentlich kann man zur Vogelbeobachtung auf Türme oder über Bohlenwege zu kleinen Tümpeln gehen. Sehr schön gemacht. Aber außer den Kormoranen und den Möven blieben die anderen Vögel lieber schön geschützt im Schilf. 




Tja, und dann Yvonade


Der Ort für den Zwischenstopp, so am Ortsschild. Heute mein Etappenziel. 

Morgen werde ich dann wohl über den "Röstigraben" fahren. Hier beim Abendessen haben die Leute am Nebentisch weder französisch noch deutsch gesprochen. D.h schon eher französisch. Waadtländer eben, patois. Hört sich sehr witzig an. Nun war ich über einen Monat  mit französisch sprechenden Menschen zusammen. Ich glaube nach den Kanadiern gibt es keine höflicheren Menschen als die Franzosen, - bonjour! Miteinand!
Bis Morgen
















Sonntag, 10. Juli 2022

36. Tag: von Genf nach Lausanne

die Karte



Genf schläft. Die Partynacht war lang. Die Sonne scheint schon kräftig.


Bei der Ausfahrt aus Genf komme ich doch noch an einer der "großen" Institutionen vorbei. Die WTO war vielleicht schon mal wichtiger.
65 km am See entlang. Das hört sich erst einmal gemütlich an. Und die ersten Kilometer sind es auch. Die Luft ist frisch, kaum Verkehr. Der Radweg ist nicht immer abseits der Straße, aber immer deutlich markiert. Das haben die Schweizer wirklich raus. Selbst an Baustellen wird der Radfahrer nicht im Stich gelassen und nicht einfach umgeleitet.

Aber eine Flachetappe ist das heute nicht. Immer wieder geht es runter an den See durch einen Ort und dann wieder hoch zur Autostraße mit gelber Radspur.


Ist ganz schön, aber mit der Zeit lästig. 
UND DANN!! Ich glaube es einfach nicht. Dass der alte Rhone so nachtragend ist!! Hat mich doch lange genug geärgert. Jetzt bläst es noch einmal kräftigst über den See. Zuerst von 1 Uhr, das geht noch. Da der Lac Lemand ein "Hörnchen" ist, werde ich zwangsläufig vor Lausanne noch in den vollen Gegenwind radeln. Und so ist es. Mann! Musste das jetzt sein. In Rollle trinke ich einen Kaffee. An der Apotheke steht 31°. Kann das sein, dass man bei 31° ins Frösteln kommt? Der Wind aus den Bergen ist auch noch kalt. Aber gemach, es wird noch deutlich heißer.


Mittagspause am See. Ein letzter Blick auf den Mont Blanc. Eine einzige Frau ist im Wasser. Sie krault Strecke. Als sie bei meinem Steg aus dem Wasser steigt, frage ich sie, wie kalt das Wasser sei. Sie meint "bestimmt 18°" - kam mir kälter vor!
Den Schweizer treibt es heute durchaus ans - aber überhaupt nicht ins Wasser. Liegt sicher auch am kalten Wind.



Gestern habe ich ja schon gesehen, wie steil die Ankunft in Lausanne hochgeht. Aber zu meinem Hotel ging es noch viel steiler hoch. 20° und Kopfsteinpflaster 


Und nach dieser Schiebestrecke ging es in fahrbaren Serpentinen weiter nach oben. Mein Hotel liegt höher als die Kirchturmspitze der Kathedrale! Und da ist die Altstadt noch nicht zu Ende. 

LAUSANNE. Wie kann man eine Stadt so verrückt anlegen! Kein Mensch will ständig auf und ab gehen. Vom Seeufer,, 357m, das Stadtzentrum liegt auf 495m und der höchste Punkt liegt bei etwa 700m. Und das Alles auf engstem Raum. Aber es ist ja nicht nur unten und oben. 


Ich sehe von meinem Bärenhotel aus die Kathedrale. Luftlinie höchstens 150m. Doch als ich auf sie zu gehe, merke ich, da ist eine richtige Schlucht dazwischen. Runter und wieder hoch. 
Mal ehrlich, welchen "evolutionären" Vorteil hat es, wenn man ständig rauf und runter muss. OK. man kann dem Feind auf den Kopf spucken. Aber zum Milchholen 200m runter, und zum Mittagessen wieder 200m rauf.
Der Lausanner und die *in sind jedenfalss superfit.
Lausanner ist noch ganz in den Nachwehen des gestrigen Ereignisses. Der Zielankunft der Tour de France.

Überall sind noch Stände und Büdchen und Musikbühnen, aber so richtig steppt der Bär heute Abend nicht mehr. Es ist einfach auch viel zu heiß.
Die Kathedrale ist beeindruckend.
Sehr schön ist die gotische Fassade restauriert. Sogar Farbreste haben sie erhalten. Das ist ungewöhnlich.


Und immer wieder bin ich völlig überrumpelt von den Treppen und Treppenhäusern Ausblicken ind dieser Stadt:





Zurück Richtung "Hotel zum Bären". Der Wind nimm auf einmal wieder Fahrt auf. Offensichtlich kommt er nicht mehr über den See allein, jetzt bläst er so was von gewaltig von oben runter. Das ist meine Fahrtrichtung Morgen. 
Beim Abendessen räumt der Wind die Tische ab. Dort wo niemand sitzt werden Tischtücher nebst Gläsern, Teller etc. einfach runter geblasen und in der Ecke der Terrasse auf einem großen Haufen abgelegt.
Ich habe gerade nachgeschaut. Der Wind soll Morgen ähnlich stark sein. 30km/h aus Nordost. Meine Richtung.
Ich habe ein strenges Bergprogramm vor mir. Die ersten 20 km zwischen 6% und bis zu 10%. 
Das schaffe ich  mit 10 km/h - bei 30 km/h Gegenwind...? Fahre ich rückwärts. Noch einmal, ich schaffe 10 km/h, der Wind kommt mir mit 30 entgegen!
Manche finden ja Zahlen schön! Ich finde sie können auch deprimieren. Wenn Sie mir sagen, dass ich keine Chance habe... Dann möchte man doch lieber eine Hummel sein, die nicht rechnen kann und trotzdem fliegen...
Wenn es Morgen so windet, muss ich mir was überlegen. Es soll ja auch dramatisch heiß werden.


Ok, Friederike. Ich werde mein Bestes geben!
Wir hören von einander! Bis Morgen.

Samstag, 9. Juli 2022

35.Tag: in Genf

 

Genf hat zweifelsohne für mehr als 1 1/2 Tage zu bieten. Auch wenn es, ich gebe es gerne zu, irgendwann mal "gut" ist. Selbst ich kann eine "Überdosis" Kultur bekommen. Da freue ich mich doch, Morgen wieder auf das Rad zu steigen.


Aber was ich heute sehen und erleben durfte, möchte ich nicht missen. Zuerst, siehe oben, bin ich mit der Straßenbahn zum CERN rausgefahren. Ich habe mir eigentlich nicht allzu viel versprochen. Natürlich ist CERN das Zentrum, das Mekka der Wissenschaften schlechthin. Aber wenn ich auf Zeitreise in der Bibliothek von Alexandria gelandet wäre und an den Buchrücken entlang gegangen wäre, hätte ich dann verstanden, welche Bedeutung diese Bücher für das Abendland gehabt haben?

Die CERNler haben sich zumindest sehr angestrengt, dem Laien verständlich zu machen, warum hier nicht weniger als an einem neuen Weltbild gearbeitet wird. Und nebenher schon mehrfach von Genf aus die Welt verändert wurde.


Der erste Webserver der Welt wird dem Wissenschaftspilger mit den gleichen Mitteln präsentiert, wie die Kathedralen damals dem Gläubigen die wirkmächtigen "Reliquien" zeigten. Je heiliger desto mehr leuchten die "Schreine" aus der Dunkelheit heraus.
Doch die Präsentation der "Welt der Teilchen" in einer großen hölzernen Kugel hat schon was. Man ahnt eher, als dass man versteht, was in diesem LHC Large Haldron Colider abgeht, dass sie inzwischen mit der Beschleunigung der Teilchen der Lichtgeschwindigkeit immer näher kommen.
Auch die Filme zur Geschichte des CERN, dass ja schon 1954 gegründet worden ist, sind gut gemacht.
Ich erinnere mich noch gut an einen Artikel in "Das neue Universum" oder war es "Durch die weite Welt" die Buchreihe für den "Jungen"- meine Lieblingsbücher überhaupt, die ich mir aus der Stadtbibliothek geholt habe. 
Ich habe Anfang der 60er Jahre kein Wort verstanden, aber ich habe wohl geahnt, dass es sich um etwas ganz großes handeln musste. 
So viel zu meiner Sheldon- Cooper- Gedächtnistour hinaus in das Umland von Genf.
Der Kontrast zwischen CERN und meinem nächsten Programmpunkt könnte größer nicht sein.


Das Mamco, das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in einer stillgelegten Galvanischen Anstalt, ist ein tolles Experiment. Hier werden Künstler Atelierräume angeboten. Hier werden mutige, schräge, Ausstellungen gemacht. Inzwischen hat es den Ruf eines der wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst in der Schweiz.
Neben der Ausstellung der ausgezeichneten Schweizer "Nachwuchskünstler", die ich eher durchwachsen und nicht sehr "mutig" und schon garnicht "ausgezeichnet" fand, gab es eine Ausstellung von "Guerreiro do Divino Amor" - vom Krieger der Göttlichen Liebe ? Wirklich? 
Um den seltsamen Namen zu klären. Der Künstler heißt tatsächlich Guerreiro mit Nachnamen. Er hatte wohl mal vor eine Heavy Metal Band zu gründen, mit der er Jugendgottesdienste begleiten wollte - was naturgemäßig kein wirklich erfolgversprechendes Modell war.
Er hat in Europa studiert und macht sehr komplexe Videoinstallationen, in denen er auf sehr unterhaltsame Weise Gesellschaftskritk mit unglaublich lustig/kitschig/trashigen Performances mischt. Die "Superfictional Sanctuaries" hat er speziell für die Schweiz zusammengestellt.


Der Schweizer Olymp und seine "Heiligtümer" wird auf aberwitzige Art und Weise demoniert. Alle "Säulenheilige" sind durch Götinnen ersetzt. Hier mimmt "Calvina" die Reformation aufs Korn.


Die große Welternährerin, Frau Nestlé fähr auf dem Nestlé Werbeschiff den Amazonas hoch. 
Und so geht es weiter. 
Ich bin relativ lange durch die Installationen gegangen und habe mir die Filme angesehen - und war dann  absolut matschig im Kopf. Habe mich aber sehr unterhalten gefühlt.

Und dann noch einmal eine 180° Grad Wende.
Nach dem Vollfetten visuellen Überwältigungskrieger - eine kleine leise Ausstellung des Altmeisters der "arte povera", Mario Merz und seiner Frau Marisa.
Eigentlich nicht schlecht um wieder runter zu kommen.


2 Fibonacci-Arbeiten. Diese und eine "Iglu-variante". Sehr schöne Bilder von Marisa und viele kleine Plastiken.

Aber das war´s für heute. Noch ein bisschen Park und später ein Bier auf der Rhoneinsel.
Und dann - Morgen - nichts wie raus aus Genf. Dass Genf auf der Liste der lebenswertesten Städte der Welt, unter den ersten 10 steht, halte ich bei aller kulturellen Vielfalt für einen zynischen Irrtum.

Nachher werde ich die Tour de France Ankunft in "Lausanne" anschauen. Wenn ich das richtig sehe, dann wird das auf den letzten Metern durch die Altstadt eine richtige Bergankunft. Und ich 24 Stunden später, werde da wohl hoch schieben müssen?!! 

Die Fontaine im Genfer See ist übrigens wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet gewesen, falls Ihr Euch gefragt habt warum es kein Bild von dem Jet d'eau gab. War ursprünglich kein Springbrunnen, sondern ein Überdruckventil für die Wasserleitungen der feinmechanischen Betriebe, die den Druck am Feierabend abließen.
Nun denn, gehabt´s Euch wohl! Bis Morgen, hoffentlich aus Lausanne.













Freitag, 8. Juli 2022

34. Tag: Von Grenoble nach Genf

die Karte



Es hat geklappt! Ich bin wieder an der Rhone! Die ganze Aufregung - eigentlich unnötig. Aber nach den Erfahrungen in Beziers, und den Streiks und den Zugausfällen...
Es war sicher gut, dass ich mich entschieden habe, gleich in Grenoble in den Zug zu steigen. Denn rund lief es bei der französischen Bahn heute mitnichten. Schon beim Frühstück im Hotel wusste ich, der Zug ist in Valence nicht pünktlich abgefahren.
Und auch die anderen Züge, nach Annecy oder zurück nach Valence, 30 min, 40 min Verspätung. Mein Zug "nur" eine halbe Stunde, letztendlich doch auch 40 Min. Kritisch wird es bekanntlich erst dann, wenn ein Zug ganz ausfällt und die Fahrradfahrer sich zu klumpen beginnen. War aber heute Morgen nicht so. Das Fahrradabteil hat gut gereicht. 5 von 6 Plätzen belegt. Alle haben Sitzplätze. Welche Erleichtuerung. Sicher auch, weil es der erste Zug des Tages war.



Beim Hochfahren Richtung Genf dachte ich zuerst, "eigentlich schade, dass ich nicht doch 2 Tage mehr eingeplant habe, sah gut machbar aus. Doch dann kamen die Tunnel, was für den Radfahrer bedeutet, "da musst du drüber"! Ach, wie entspannt kann man über die Berge kommen.
Und dann der Kulturschock.
Vom ersten Schritt aus den Zug, ist klar. Ich bin in der Schweiz und dann auch noch in Genf. Das Geld hängt zu den Fenstern raus.
Aber natürlich ist es auch angenehm, wenn der Bahnhof dem Reisenden alle Annehmlichkeiten bietet.

Alle Bahnsteige sind mit sanften Rampen erreichbar. Keine Treppen, keine defekten Lifts. Respekt.

Dafür nimmt auch auch die eine oder andere alpenländischische Eigenheit in Kauf.


Mein Hotel, inmitten der absolut unbezahlbaren Edelschuppen, macht einen auf Chalet. Doch die Leute sind super nett.
Der nächste Schock sind die Preise. Alles ist mehr als doppelt so teuer wie in Frankreich. Aber das ist nichts Neues. Dafür habe ich aber ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr bekommen, einschließlich der Boote auf dem Lac und der Rhone. 
Aber was sucht Euer Blogger wohl als erstes in Genf auf. 3x mal dürft Ihr raten. Falsch, falsch und falsch:

Nicht weitersagen. Zuerst war ich hier, wo Sissi gemeuchelt wurde.


Vor kurzem sind alte Fotografien von Ihr publiziert worden. Nichts für ungut Romy, aber die Frau war wirklich ein wenig vielschichtiger - und viel "moderner"! 

Dann habe ich meinen Freifahrtschein ein wenig genutzt.


Die Fotos vom Boot aus sind leider nichts geworden. Der Wind der letzten Tage ist hier oben noch viel schlimmer. Seit heute weiß ich, wo der Mistral herkommt. Vom Lac Lemand pfeift er runter. Es ist unglaublich! Wenn der so weiterweht werde ich nicht bis Lausanne kommen. Zwar sind mir heute keine Stühle entgegen gekommen. Aber dafür wehte es das Wasser der Brunnen fast waagrecht weg.

Vorführeffekt. Immer wenn man abdrückt, lässt der Wind nach!

Dass es in dieser Protzststadt auch interessante Ecken hat, ist überraschend für mich. Die Kathedrale St. Peter. Die Keimzelle des Calvinismus. 28 Jahre hat er hier gepredigt, der Calvin.


Trister kann ein Kirchenraum nicht sein. Alles haben sie rausgerissen, übermalt. Nur das Wort!
Und die Musik.

Da regen sich die rechtschaffenen Gläubigen heute über die Taliban auf, wenn diese Buddhas in die Luft sprengen. 
Eine Kapelle hat den calvinistischen Furor überstanden. Wohl, weil die Macabäerkapelle zur Rumpelkammer umfunktioniert worden war.




 Die Ausmalungen haben den Bildersturm überstanden. Aufwendig restauriert hätte 2020 nach über 480 Jahren dort wieder eine "katholische"/ökomenische Messe gefeiert werden sollen. Ist wegen Corona ausgefallen. Dieses Jahr aber nachgeholt worden.
War St.Peter oberirdisch eine calvinistischen Gähnveranstaltung, so ist sie "unterirdisch" der absolute Kracher. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Die "archäologischen Keller" sind unglaublich. In einem unterirdischen Labyrinth, unter der Kathedrale, unter dem Vorplatz, hinunter bis zu den Römern, dann wieder hoch zu den ersten Resten der ersten Kirche aus dem 4.Jh. - Ihr könnt Euch das nicht vorstellen! Einfach super gemacht. Hunderte von Quatratmetern, Gänge, Treppen, Nischen...


 Die ganze Kathedrale steht auf einem einzigen Termitenhügel, und den kann man begehen. Und der archäologische Laie versteht sogar einiges. 

Am meisen begeistert hat mich diese Stelle:


Wenn man es erklärt bekommt, kann man tatsächlich erkennen, dass an dieser Stelle die größte Glocke der Kathedrale gegossen worden ist. Der Bogen vom oberen Rand der Glocke ist gut zu erkennen und auch die Kanäle wo das flüssige - oder überflüssige Metall ablaufen konnte. 
In dieser Unterwelt sind Getreidedarren, Taufbecken, die gesamte Baugeschichte der Kathedrale Zug um Zug begehbar. Einfach fantastisch. 

Was alles möglich ist, wenn man Geld hat.
Aber ich will Euch nicht langweilen mit meinem Ausflug in die Unterwelt. Schließlich habe ich noch andere Highlights erlebt.
Das Rathaus. 


Renaissancewendel"treppe"- ohne Treppe zum Hochreiten, - 5 Stockwerke.




Und dann natürlich:


Das Geburtshaus Rousseaus. Über "Emile" habe ich den Magister in Pädagogik gemacht. Die arme Socke wurde von den Zeitgenossen exkommuniziert, um im 19.Jh. neben Calvin auf die Genfer "Säulen" gehievt zu werden.



Und auf dem Weg zum calvinistischen Monumentvalley habe ich noch einen "Meister" getroffen, über den ich an der PH meine Prüfung gemacht habe.


"Meister Piaget".  Dieses Denkmal hat ihm die japanische Piagetgesellschaft gestiftet. Anscheinend wird er in Fernost höher geschätzt als in seiner Heimatstadt.
Und dann die "große Mauer" der Reformation


Farel, Calvin, Beze, Knox.  Die Jungs haben sie anscheinend direkt für "Argonath" in Herr der Ringe engagiert, bzw haben die Filmemacher sich hier ihre Ideen geholt.

Als neutraler Beobachter finde ich es im "reformatiorischen Monumentvalley" schon ein bisschen, arg kleinlich einen gewissen Herrn Luther so mies zu behandeln.


Liebe Fundamentalisten, entscheidet euch einfach. Ist Luther für Euch wichtig, oder nicht. Ihr hättet ihn ja auch einfach weglassen können. Aber so, seine, ja was eigentlich, "Verachtung", "Überheblichkeit" "Engstirnigkeit" zu zeigen?
Mann, habe ich heute an einem Nachmittag viel sehen und erleben können. Abgesehen davon, dass Genf so was von teuer ist, kann man hier schon einiges sehen und erleben.


Da gibt es Topgalerien mit Kunst im Vorbeigehen und sympathische Biergärten an der Rhone. Wo mir heute ungelogen, der Schaum vom Glas geweht wurde.

Ach, by the way. Wir sprachen doch vor ein paar Tagen darüber, wie man Flüssen gerne eine "Persönlichkeit" gibt. Heute habe ich meine "Interpretation" der Rhone bestätigt gefunden.


"Macho-Rhone" hat so was von garnichts weibliches. Da bin ich mit der Darstellung des unbekannten Künstlers einig. Ob man gleich in Richtung Putin gehen muss, wie er sich mit der Rechten ins Lendentuch greift, - das tut dem "Naturburschen" vielleicht doch ein bisschen unrecht.

Und da ist das Genf des vulgären Reichtum.

War mir Grenoble sympathisch geworden, weil es eine Infrastruktur hatte, die Angebote für die Bewohner der Stadt machte. So ist Genf voll von Angeboten, die kein Mensch braucht und die ich nicht nachgeschmisssen haben möchte.


Bezinkanister, umgebaut als Bar für den Jäger von Welt.
Und wir hätten da auch noch ein paar Kartons voll "Hörnle" auf dem Speicher, aus denen man "stilvolle" Weingläser machen könnte.


Wie wär´s denn, liebe Superreiche, mal mit "Weltretten", "Hunger bekämpfen" etc.,  wenn ihr nicht mehr wisst, wie ihr Euer ergaunertes Geld unterbringen könnt.
Ich habe heute, in diesen Straßen durchaus noch regelmäßig Menschen russisch sprechen hören. 
"Nichts für ungut", liebe Russen, keine pauschalen Verurteilungen - vielleicht wünscht sich Neffe Sascha ja  einfach eine Hausbar im Benzinkanister zum nächsten Geburtstag,  die er mit auf seinem Panzer in den nächsten "Sondereinsatz" nehmen kann.

Morgen noch ein Tag Genf. Ich freue mich auf neue Eindrücke. Ich lasse mich immer gerne überraschen. 
CERN (?) kann man da mal reinschauen?
Völkerbund.
Museen?
Schaumamal!
Gehabt´s Euch wohl! Und Gute Nacht